Mario Party Superstars: Feiern bis die Gamepads glühen

Kleine Schneeballschlacht gefällig? Bild: © Nintendo

Wenn man ehrlich ist, handelt es sich um den Inbegriff des verzweifelten Versuchs, einen Sonntagnachmittag zu einer vergnüglichen Angelegenheit zu machen. Die Rede ist vom Brettspiel. Doch diese überspitzte Sichtweise wird den Brettspielen nicht gerecht, wenn man sich ehrlicherweise eingesteht, wie viel Spaß sie doch machen können und wie viele Autofahrten sie uns schon erträglicher gemacht haben.

Und vor allem: Das sie doch eigentlich die Wurzel dessen sind, was heute Videospiele verkörpern. Man versammelt sich, misst sich freundschaftlich miteinander, hat einfach Spaß. Manchmal ist es ganz einfach. „Mario Party“ bringt diesen simplen Spaß auf den Bildschirm, und das tatsächlich schon seit über 20 Jahren.

Ab auf den Geburtstagskuchen

Da ist es nicht verwunderlich, dass Nintendo jetzt mit „Mario Party Superstars“ eine Art Best-of der Reihe auf die Switch bringt. Nochmal auf Peachs Geburtstagstorte zwischen Schlagsahne und Frischkäse um Sterne kämpfen, nochmal im Space-Land in futuristischer Umgebung den anderen eins auf die Mütze (Pardon, aufs Visier) geben. Nochmal Eiskugeln fangen, Bowser-Heißluftballons zum Platzen bringen und Bohnenranken hinaufkraxeln. Wer die Reihe seit dem ersten Teil auf dem Nintendo 64 begleitet hat, dem geht hier das Herz auf.

Vieles hat sich nicht verändert: „Mario Party“ kann man auch allein spielen. Aber sind wir ehrlich: Das macht doch keiner. Wie gesagt: ein Brettspiel, kein Puzzle. Denn die Reihe zieht ihre Faszination, ihren ganzen Spaß, einfach daraus, seinen Mitstreitern unmittelbar gegenüber zu sitzen. Wie herrlich ist es, seinem Konkurrenten in der letzten Runde einen Stern vor der Nase wegzuschnappen? Wie herrlich ist es, als absoluter Neuling bei einem Minispiel, das einzig und allein von Glück abhing, Mario-Party-Veteranen zu schlagen?

Überhaupt, Glück: Bei „Mario Party“ gewinnt nicht unbedingt der Beste. Sondern jener, der sich am besten mit all dem arrangiert hat, was man vorher beileibe nicht hat voraussagen können. Da werden Glückskapseln verteilt, Mirakel-Spielfelder betreten und Sterne mithilfe von Flaschengeistern gemopst. Wem Gerechtigkeit das höchste Gut ist, sollte sie entweder für „Mario Party“ ein paar Stunden ad acta legen, oder es lieber gleich bleiben lassen.

Quietschebunter Partyspaß. Bild: © Nintendo

Kichern, mopsen, siegen: Kindliche Naivität at its best

Wer sich auf den kunterbunten Spaß einlässt, bekommt das serviert, und kann sich daran erfreuen, was vielen Menschen mit der Zeit abhandenkommt: kindliche Naivität. Es ist keine Schande, sich als erwachsener Mensch darüber zu freuen, gerade das Schaukelpferd-Minispiel gewonnen und dadurch zehn Münzen einkassiert zu haben, die sogleich in eine Buu-Huu-Glocke investiert werden. Und es ist keine Schande, wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen, wenn einer der Konkurrenten gerade mal zwei Sekunden nach Start des Minispiels aus dem Rennen ist.

Denn es ist eine Party, Marios Party. Und auf solch einer hat man immer noch am meisten Spaß, wenn man es einfach mal locker angeht und die Sorgen des Alltags hinter sich lässt. All das Widersprüchliche und Obskure einfach mal akzeptiert und einfach kindliche Freude verspürt. Wo geht das besser als zwischen einem knuffigen Dinosaurier, funkelnden Sternen und kichernden Pilzköpfen?

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Bildquelle: © Nintendo

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.