Schweigen ist nicht immer Gold. Bild: Pexels

Also werden wir eher mit Menschen verbunden, die uns ähnlich sind. Die beispielsweise auf schöne Latte Macchiatos, Smoothiebowls und Veganismus stehen. Es bedarf da schon einiges, um mit Leuten in Kontakt zu kommen, die Deutsch-Rap hören und Egoshooter zocken. Zumindest auf Social Media. Natürlich ist uns allen bewusst, dass es diese Leute gibt, aber wie groß die Bubble wirklich ist, wissen wir erst, wenn wir sie betreten.

Talkshows und andere Diskussionen

Ganz ähnlich ist das mit politischen oder gesellschaftlichen Diskussionen. Wenn ein Thema gesellschaftlich relevant wird, dann sind wir sehr schnell darin, uns für eine Seite zu entscheiden und diese als die richtige zu betrachten. Da wir uns häufig bereits in der Gesellschaft von Menschen befinden, die uns sehr ähnlich sind, stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch sie unsere Meinung teilen. Das nennt sich Echokammer. Verläuft sich nun jemand in unsere Echokammer, der quasi die Opposition unserer Ansichten vertritt, so wird diese Person ihre Meinung wohl eher nicht oder nur sehr zaghaft äußern. Der Rest der Kammer bekommt so gar nicht mit, dass es Menschen mit anderen Ansichten gibt. Praktisch, oder?

Das Problem an dieser Theorie ist nur, dass sie kaum Spielraum für offene Diskurse lässt. Zum einen, weil jeder, der auf eine andere Meinung trifft, zunächst einmal davon ausgeht, dass seine Ansicht aber die richtige wäre und sich deswegen kaum in konstruktive Diskussionen mit der Gegenseite begibt. Zum anderen, weil jeder Mensch Angst vor sozialem Ausschluss hat. Was, wenn ich die einzige Person bin, die diese Meinung äußert? Vielleicht wollen die anderen dann nichts mehr mit mir zu tun haben?

Ein weiteres Problem findet sich in den Medien, die als eine Art Katalysator für Minderheitsmeinungen funktionieren können und so dafür sorgen, dass diese als Mehrheitsmeinung wahrgenommen werden. Wenn beispielsweise die Tagesschau immer wieder von „dem Erstarken der AfD“ berichtet, dann suggeriert sie der*dem Zusehenden, dass die AfD viel größer wäre, als sie eigentlich ist. Ein Bekenntnis zur AfD erscheint so für den Einzelnen weniger gefährlich, als zunächst vermutet. Denn anscheinend gibt es ja doch viele Menschen, die diese Partei wählen. Ein Ausschluss aus der eigenen Bubble ist somit weniger wahrscheinlich. Vielleicht versteht ihr nun, warum es so wichtig ist, Fakten deutlich darzustellen und nichts zu antizipieren. Gerade in den öffentlich-rechtlichen Medien.

Also, bevor ihr euch eine Meinung bildet, schaut doch mal nach links und rechts, denn Schweigen muss nicht immer die bessere Alternative sein.

Und sonst so?

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Bildquelle: Sound On von Pexels; CC0-Lizenz