Sex und Soda: Monogamie – Ist das noch zeitgemäß?

Brautpaar unterm Schleier

Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefallen mir unkonventionelle Lebensmodelle. Ich finde es schon fast egoistisch von einem Menschen zu verlangen, dass er meine ganzen sexuellen Bedürfnisse befriedigt. Denn so sehr man sich anstrengt, eines kann man in einer Beziehung niemals erfüllen: Den Reiz des Neuen. Und das muss man auch nicht. Genau so wenig, wie ich niemals mit meinem Partner einen Marathon laufen werde, auch wenn er es sich sehr wünscht. Oder zur Spitzenköchin werde. Oder auf die gleichen Bands stehen werde. Und das ist vollkommen in Ordnung. Und auch die Angst davor, dass sich der Partner oder die Partnerin in jemand anderes verlieben könnte, wenn er oder sie mit jemanden schläft, ist rational betrachtet nicht gerechtfertigt. In der Psychologie gibt es den schönen „Mere-Exposure“-Effekt, der besagt, je öfter man einen Menschen sieht, desto positiver bewertet man ihn. Ich persönlich hätte also mehr Angst vor der humorvollen Arbeitskollegin als vor dem One-Night-Stand am Junggesellenabschied.

Die Lösung?

Ich will übrigens nicht abstreiten, dass eine monogame Beziehung gar nicht funktioniert. Es gibt bestimmt Paare, für die genau das der richtige und funktionierende Weg ist. Das Wichtigste ist, dass man offen und ehrlich über solche Dinge spricht. Ich sage von Anfang an, dass ich offen dafür bin, eine unkonventionelle Beziehung zu führen. Und man muss sich ja auch nicht auf etwas festnageln. Am Anfang einer Beziehung würde ich mir noch kein offenes Modell wünschen. In der Verliebtheitsphase gibt es doch nichts Schöneres als sich gegenseitig zu erkunden und seine gemeinsame Sexualität zu entdecken. Doch wer weiß, wie ich in zwei, drei oder zehn Jahre denke? Und ich kenne mich. Wenn ich im Sommer ausgehe und jemanden sehe, der mir gefällt, dann will ich flirten. Vielleicht reicht mir das an manchen Abenden. An anderen will ich aber mehr. Und wenn ich dann mit jemanden schlafe, dann hat das (in meinen Augen) nichts mit meinem Partner zu tun, sondern in erster Linie mit mir und meinem Ego – das anscheinend einen kleinen Push braucht und neue Haut spüren möchte. Für mich wäre der Optimalfall in einer Beziehung, wenn man nach dem Motto „Gelegenheit macht Sex“ lebt. Ich finde, es hat auch etwas Spannendes, wenn mein Freund in seinem Urlaub einen heißen Flirt hatte und dann ganz beflügelt wieder zu mir kommt. Oder man vielleicht auch mal zu dritt etwas ausprobiert. Oder gemeinsam auf Sexpartys geht, um sich Anreize zu holen oder selbst mitzumachen. Das wäre für mich absolute Freiheit. Zusammen mit einem Menschen, den ich liebe.

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Bildquelle: Meryl Spadaro on Unsplash; CCO-Lizenz