Frag Joanna! „Was ist eigentlich Rimming?“

Joanna Stein Sex Kolumne

Birds do it, bees do it, even educated fleas do it… Wir Menschen machen es auch, denn mal ehrlich, wir sind alle sexuelle Wesen. Wir können gar nicht anders. Blöderweise kommt uns aber manchmal die von Cole Porter beschriebene Leichtigkeit abhanden, wenn wir mit nackten Tatsachen konfrontiert sind. Plötzlich sind da Unsicherheiten, Untiefen, Situationen; Dinge sind nicht mehr taghell oder nachtschwarz. Oft bewegen wir uns in den grauen, schattigen Zwischenräumen. Und dann? Für Dr. Sommer sind wir zu alt, unsere Freunde wissen auch nicht alles und manches wollen wir sie lieber nicht fragen. Pornos beantworten einige Fragen, können aber auch neue aufwerfen.

Geht’s dir auch so, ab und an? Wir haben uns Sexualpädagogin Joanna Stein ins Team geholt. Von nun an wird sie in ihrer Serie eure Fragen rund um die schönste Sache der Welt beantworten.

Die Frage: Hallo Joanna, ich (w/28) bin schon ziemlich lange mit meinem Freund zusammen. Es läuft gut, aber letztens hat er mal gesagt, dass er sich Rimming von mir wünschen würde. Ich musste erstmal recherchieren, was das überhaupt sein soll und jetzt bin ich, ehrlich gesagt, ein bisschen überfordert. Irgendwie finde ich die Vorstellung eklig, mit meiner Zunge an sein Arschloch zu gehen. Fingern ist kein Problem, das mach ich auch öfter, aber das? Ich weiß nicht wirklich, wie ich jetzt reagieren soll…

Die Antwort: Tja, da bekommt die Aussage „Leck mich am Arsch“ eine ganz neue Qualität, oder? Genau darum geht’s nämlich beim Rimming. Das, was man auch ganz fein als Anilingus bezeichnen kann, ist nichts anderes, als dem sexuellen Gegenüber mit der Zunge in der Analregion Freude zu bereiten.

Große Ungewissheit

Damit, nicht so genau zu wissen, was das sein soll, bist du übrigens nicht alleine. Ich betreue seit einigen Jahren das Testangebot bei einer Aidsberatungsstelle und auf dem Fragebogen, den wir als Grundlage für das Beratungsgespräch verwenden, wird bei den Risikosituationen auch Rimming als Option aufgeführt. Das führt regelmäßig, wie bei dir auch, zu Fragen. Und manchmal zu peinlichem Berührtsein als Reaktion auf meine Antwort. Ob jemand diese Sexualtechnik praktiziert oder nicht, hilft uns allerdings einzuschätzen, wie hoch das Risiko einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten (STIs) ist. Das geht dabei nämlich auch. Alle STIs, die über Hautkontakt oder Fäkalien übertragen werden, wie z.B. Chlamydien, Syphilis oder Hepatitis A, können diesen Weg nehmen. Wirklich schützen kann man sich da nur mit einem sogenannten Lecktuch, sexy ist das allerdings nicht – wer lutscht schon gerne an einem Stück Latex rum? In Beziehungen macht deswegen ein Test mehr Sinn. Für euch ist das, wenn ihr schon lange zusammen seid, vermutlich kein Thema, ich setze einfach mal voraus, dass ihr euch darüber irgendwann schon mal Gedanken gemacht habt.

Eine besonders erogene Zone

So, nachdem diesem Sicherheitshinweis genüge getan wurde, lass doch mal schauen, warum Rimming vielleicht doch was sein könnte. Im äußeren und inneren Bereich des Afters laufen unglaublich viele Nervenenden zusammen. Das macht diese Region zu einer unglaublich sensiblen und deshalb erogenen Zone. Weil du schon mit deinem Finger dagewesen bist, weißt du schon, was du dort mit Berührung auslösen kannst. Dasselbe geht auch mit der Zunge. Anders als mit dem Finger, oder vielleicht auch irgendeinem Toy, kannst du dabei aber viel sanftere Bewegungen machen, die das Spektrum der Erregung ganz schön erweitern. Weil die Zunge viel weicher ist, gibt es ganz andere Empfindungen. Auch beim Eindringen in den After fühlt sich das komplett anders an, weil der Schließmuskel schonender gedehnt wird. Tja, und wenn man dann mal angefangen hat, dann kann man beinahe alles einsetzen, was der Mund und die Zunge so drauf hat: Kreisende Bewegungen, Saugen, Schläge mit der Zunge und auch ein Eindringen mit der Zunge kann dazu gehören. Und wenn du schon mal da bist, dann bezieh doch auch seine Eier mit ein, dann hat er ein doppeltes Vergnügen.