Storytime: 12 Stunden Stau und keine Bleibe – Eine Nacht in der französischen Pampa

Endloser Stau, aber ein neuer Freund - das ist unserer Autorin passiert. Bild: Pexels

Egal ob Bettgeschichten, Abenteuer im Auslandssemester oder feucht-fröhliche Jugendsünden: Wir teilen einfach alles mit euch. In diesem Format plaudern die ZEITjUNG-Autor*innen munter aus dem Nähkästchen und geben tiefe Einblicke in ihr Leben weit weg von der Laptop-Tastatur. Macht euch gefasst auf unsere lustigsten, peinlichsten und erotischsten Erlebnisse!

Die Geschichte hat sich diesen September zugetragen. Ich bin allein ein bisschen durch Frankreich getingelt. Mein Plan war es, einmal an der Südküste entlangzufahren – also von Nizza nach Perpignan, mit ein paar Zwischenstopps in verschiedenen Städten. Auf dieser Reise sind mir eine Menge lustige und seltsame Dinge passiert, aber diese Geschichte ist wohl die unterhaltsamste. Also, auf geht’s.

Ich war schon ein bisschen herumgereist. Die letzten Tage hatte ich in Marseille verbracht und von dort aus wollte ich mit dem Fernbus weiter nach Montpellier fahren. In Montpellier wollte ich nur den restlichen Tag und eine Nacht verbringen, da meine Zeit begrenzt war und ich bald zurück nach Deutschland musste, allerdings unbedingt auch noch Perpignan sehen wollte. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte nicht vor, lange in Montpellier zu verweilen. Dementsprechend habe ich auch keine Zeit in das sorgfältige Heraussuchen einer Unterkunft investiert und hatte noch gar keine Bleibe für die Nacht gebucht. Kann ich ja später noch machen, dachte ich.

Pünktlich um 11 Uhr stand ich in Marseille am Bahnhof. Der Bus hatte ein bisschen Verspätung, aber alles nicht weiter schlimm, die Fahrt dauert ja nur zwei Stunden und mir bleibt noch genug Zeit in Montpellier, dachte ich. Etwa 30 Minuten später traf er ein, ich fläzte mich auf einen Zweiersitz und wir fuhren los. Ungefähr auf halber Strecke gerieten wir in einen Stau. L‘embouteillage. Nichts Besonderes, dachte ich. Aber der Stau löste sich einfach nicht auf. Wir standen dort eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden – bis ich irgendwann auf die Idee kam, im Internet nachzuschauen, was bitte diesen Stau verursachte, in dem sich absolut gar nichts vorwärts bewegte. Die Antwort: Bei Montpellier hatte es ein Hochwasser gegeben, das die umliegenden Autobahnen überschwemmt hatte. Ein Hoch auf den Klimawandel, dachte ich.

Ich hatte übrigens kein Essen und nur noch etwa 200 Milliliter Wasser dabei. Beste Voraussetzungen. Außerdem musste ich dringend aufs Klo. Das Problem war nur: Die Toilette im Bus war außer Betrieb. Funktionierte nicht. Fantastisch! Einfach in den Wald gehen konnte ich auch nicht, weil ich natürlich ausgerechnet noch meine Tage hatte und meinen Tampon wechseln musste. Also bin ich ausgestiegen und auf der Suche nach einem Wohnwagen über die Autobahn getrottet. Als ich einen gefunden hatte, fragte ich den Fahrer auf mehr oder weniger gutem Französisch, ob ich denn seine Toilette benutzen dürfe, da ich meine Tage habe und nicht in den Wald gehen kann. Er war nett und ließ mich gehen! Immerhin ein Problem gelöst.

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!