Alkohol: Die Geheimwaffe in der Klausurenphase

Wein-Frau-Trinken

Ab und an greifen wir nach einem schier nicht enden wollenden Bib-Tag abends gerne mal zu Bier und Vino, um unser Gehirn etwas zu erleichtern und uns für den erfolgreichen Lerntag zu belohnen. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass kleine Mengen Alkohol nach der Bib-Quälerei sogar einen positiven Effekt auf unseren Lernerfolg und unser Erinnerungsvermögen haben könnten.

 

Alkohol: Das Wunder-Lernmittel?

 

Schon 2011 stellte ein Forscherteam unter Laborbedingungen fest, dass das Trinken von Alkohol bestimmte Hirnareale darauf vorbereitet, besser lernen und sich erinnern zu können. Ob Alkohol wirklich so ein Wunder-Lernmittel sein kann, wurde nun im Zuge einer neuen Studie der Universität Essex weiter erforscht. Die rund 90 Probanden, darunter 31 Männer und 75 Frauen zwischen 18 und 53 Jahren, bekamen bestimmte Lese- und Hörverstehensaufgaben in ihren heimischen vier Wänden gestellt. Außerdem mussten sich die Probanden bestimmte Wortkombinationen einprägen. Die eine Teilnehmerhälfte durfte im Anschluss beliebig viel Alkohol zu sich nehmen (im Schnitt waren das ein paar Gläser Wein oder Bier), die andere musste nüchtern bleiben. Am darauffolgenden Tag wurden die Aufgaben wiederholt.

 

Verbessertes Erinnerungsvermögen dank Bier und Vino

 

Das Ergebnis: Die Testpersonen, welche zuvor einige Biere intus hatten, konnten die Aufgaben leichter lösen und sich an die gelernten Worte spielerischer erinnern als diejenigen, die nüchtern geblieben waren. Je mehr Alkohol die Probanden tags zuvor gesunken hatten, um so signifikanter war der Effekt des verbesserten Erinnerungsvermögens. Dem Forscherteam um Molly Carlyle und Nicolas Dumay nach, könnte das an dem Effekt liegen, welcher Alkohol auf unsere Aufnahmefähigkeit ausübt. Denn hat man erst einmal zum ersten Glas gegriffen, ist das Gehirn mit jedem weiteren alkoholischem Getränk unfähiger, neue Informationen auf zu nehmen. Diese Tatsache hat wohl jeder schon einmal in einer durchzechten Partynacht an sich selbst erfahren. Doch das Gehirn hat somit auch mehr Ressourcen, die vor dem Saufgelage aufgenommen Infos im Gedächtnis abzuspeichern. Außerdem schläft man häufig unter Alkoholeinfluss wie ein Stein im Tiefschlaf, das könnte sich ebenso positiv auf das Gedächtnis auswirken.

 

Lern-Sauf-Zyklus

 

Also wenn das mal nicht die optimale Legitimation für ein ausgiebiges Bergfest oder eine feuchtfröhliche Partynacht nach dem Lernstress ist. Es ist jedoch fraglich, wie regelmäßig man diesen Lern-Sauf-Zyklus erfolgbringend anwenden kann, ohne dabei jedes Mal einen ganzen Lerntag durch ausgiebiges Katern zu verlieren oder andere Langzeitfolgen zu erleiden. Außerdem ist die Studie, so gut ihre Ergebnisse auch in unsere Prokrastinations-Argumentionsstruktur passen, nicht sonderlich repräsentativ: Von den knapp 90 Teilnehmern stand nur die Hälfte unter Alkoholeinfluss, diese 45 Leute könnten generell einfach kognitiv fitter und aufnahmefähiger sein oder Ethanol besser vertragen. Mit dem ulitmativen Belohnungssuff solltet ihr daher vielleicht doch lieber noch bis nach den Klausuren warten.

 

Praktikantin: Nachdem ich mich nun nach vier wunderschönen, bier- und lehrreichen Jahren des Sozialwissenschaftsstudiums Bachelorette schimpfen darf, zieht es mich aus dem schnuckeligen norddeutschen Oldenburg nach München. Hier möchte ich nach dem akademischen Geschreibsel und soziologischen Analysieren an der Uni jetzt über Sachen schreiben, die ich wirklich mag. Und das geht am besten bei ZEITjUNG.