„Jede*r hat das gleiche Recht auf Teilhabe“ – Mit talking hands für mehr Inklusion

Maria, Jami und Laura (v.l.n.r) von talking hands. Quelle: © talking hands

Sprache ist so viel mehr als nur verbal, sie ist visuell, besteht keinesfalls nur aus Wörtern. Wir sprechen mit unserem Körper, unseren Gesichtszügen, unseren Händen – in Gebärden. Und für Kinder mit Down-Syndrom sind die extrem wichtig. Im frühen Alter mögen sie sich noch nicht verbal ausdrücken können, doch durch Gebärden können sie ihre Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle kommunizieren. Laura und Maria, die beiden Gründerinnen von talking hands, sahen, dass es an ansprechenden und effektiven Möglichkeiten fehlt, Gebärden zu lernen und wussten, dass sich das ändern muss. Sie wollten eine analoge Methode kreieren und lassen nun mit Daumenkinos Geschichten durch die Seiten fliegen. Wir haben mit Laura, Maria und Jakob, der im September zum mittlerweile sechsköpfigen Team dazugekommen ist, über ihren Weg und ihre Ziele gesprochen. 

Durch Gebärden blättern  

Die Idee entstand aus Lauras Bachelorarbeit, die sich um Trisomie 21 drehte. Dazu inspiriert hat sie ihre Schwester Jami, die selbst das Down-Syndrom hat. Nach positivem Feedback seitens von Kindern, Eltern und Erziehenden gingen die Daumenkinos vor einem Jahr in die durch Ersparnisse selbst finanzierte erste Auflage. Für Laura hieß das durchgezeichnete Nächte. Da die Daumenkinos für Kinder mit Down-Syndrom gemacht sind, bilden die Illustrationen die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) ab.  

Die GuK wurde für Kinder mit Down-Syndrom entwickelt, da im frühen Alter ihre Sprachentwicklung noch verzögert ist. Die Gebärden der GuK basieren auf der Deutschen Gebärdensprache (DGS), aber anders als die DGS ist die GuK keine richtige Sprache mit grammatischen Strukturen, sondern wird lautsprachbegleitend eingesetzt, indem nur bedeutungstragende Schlüsselgebärden ausgeführt werden. Durch diese Gebärden lernen vor allem Kleinkinder besser verstehen und können sich leichter verständigen. Im Satz Wir gehen jetzt essen wird beispielsweise die Schlüsselgebärde essen gebärdet.  

Da bei Kleinkindern mit Down-Syndrom aber auch die motorischen Fähigkeiten noch nicht ganz ausgeprägt sind, werden manche Gebärden der DGS leicht vereinfacht dargestellt. Bei der Gebärde für Kuh geht in der DGS beispielsweise der kleine Finger mit hoch, in der GuK nicht. Bei Mama wird in der GuK mit der flachen Hand über die Wange gestrichen, während in der DGS eine Faust gemacht und leicht auf die Wange geklopft wird.  

Mama in GuK © talking hands
Mama in DGS © talking hands

Auch in der Logopädie wird die GuK eingesetzt, denn Kinder können sich Wörter besser einprägen, wenn sie nicht nur das Wort hören, sondern auch eine Bewegung dazu sehen – sie lernen schneller sprechen, wenn man gebärdenunterstützt mit ihnen kommuniziert. Auch mehrsprachig aufwachsende Kinder profitieren davon, wenn sie die deutschen Wörter gemeinsam mit den Gebärden lernen, denn so können sie die Wörter und die entsprechende Bedeutung besser miteinander verknüpfen.

Wohin soll es gehen? 

Laura, Maria und Jakob wollen talking hands in Bildungseinrichtungen in Deutschland etablieren. Sie träumen davon und wollen das auch längerfristig angehen, talking hands sowohl per App als auch per Daumenkinos in weitere Länder zu bringen. Dafür werden die Illustrationen in den Daumenkinos angepasst – das Konzept von den unterstützenden Gebärden ist zwar international, basiert aber auf der Gebärdensprache des jeweiligen Landes. Mittelfristiger ist die App geplant, momentan testen sie bei Familie und Freund*innen eine Beta-Version, und hoffen, dass sie diese zeitnah zum Download online stellen können. Aktuell sei es eher ein Wörterbuch, aber bis zum Launch soll noch eine Gamification integriert werden, vor allem um das Lernen für Kinder attraktiver zu machen.  

Gemeinsam mit Pädagog*innen und Psycholog*innen wollen sie weitere Lernmittel bzw. Spiele entwickeln, die Inklusion fördern, „damit es auch wirklich die bestmöglichste Wirkung entfalten kann und an den richtigen Punkten anknüpft“, sagt Maria. Neben dieser fachlichen Expertise bringen sie selbst das Spielerische, Neue und Innovative mit ein.