Fütterer is(s)t anders: Darum sind Tiger-Selfies nicht cool und instagrammable

Ein orangener Tiger in der Natur.

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise.

Was braucht man für das perfekte Urlaubsfoto? Vielleicht einen weißen Sandstrand plus Hot Dog Legs oder ein Surfbrett unterm Arm? Pff. Langweilig. Da fehlt auf jeden Fall noch ein süßes Accessoire. Wie wäre es mit einem kleinen Affen auf der Schulter oder einem Tiger-Baby auf dem Schoß? Kommt doch ganz gut, oder? Leider nein. Tiere auf Instagram und Co. bringen zwar viele Likes, allerdings ist es ganz und gar nicht cool, wenn es sich dabei um Wildtiere handelt, die eigentlich nicht in Gefangenschaft leben sollten. 

Eigentlich habe ich gedacht, dass das Modell mit den Wildtieren mittlerweile veraltet ist. Und seit der Serie „Tiger King“ auf Netflix auch extrem uncool. Aber nach wie vor stolpere ich bei Instagram über Fotos, auf denen Wildtiere als Accessoires dienen. Ein dickes Grinsen und ein Daumen hoch in die Kamera: Besonders die Pose neben einem ausgewachsenen Tiger scheint nach wie vor extrem beliebt zu sein. Einmal „Tiger King“ zu spielen scheint für viele im Urlaub das absolute Highlight zu sein. 

Wildtiere gehören nicht vor die Kamera 

Natürlich ist es aufregend und auch wahnsinnig spannend, einen Tiger aus der Nähe bewundern zu können. Die Raubkatzen kriegen wir sonst ja nur im Zoo oder in Filmen zu Gesicht. Aber das hat auch einen guten Grund: Tiger und andere Raubkatzen sind wilde Tiere, die nicht domestiziert sind und darum normalerweise in freier Wildbahn leben

Ein Selfie mit einer Raubkatze in freier Wildbahn zu knipsen ist so gut wie unmöglich – oder zumindest ein ganz schön gefährliches Unterfangen. Kein Wunder, dass sich Angebote für Tiger-Selfies in den letzten Jahren großer Beliebtheit erfreuen. Insbesondere Länder in Süd-Ost-Asien sind bekannt dafür, die „exotischen“ Schnappschüsse möglich zu machen. Oft als „sanctuary“, „Auffangstation“ oder „Tierschutz-Center“ getarnt, claimen diese Einrichtungen, sich für den Schutz der Wildtiere einzusetzen und bieten Führungen und Touren durch ihre Parks an. Häufig kann man dort nicht nur Wildtiere aus der Ferne bewundern, sondern auch vis-à-vis mit ihnen posieren: für einen Schnappschuss. Die Masche zieht. Social Media ist voll von Fotos, auf denen sich Urlauber*innen mit einem Löwen, Tiger oder Nashorn zur Schau stellen. Dass die Tiere dafür allerdings missbraucht und gequält werden, ist auf den ersten Blick häufig nicht sichtbar.  

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.