Urlaub fürs Gehirn

Der Eibsee am Fuße der Alpen. Bild: Unsplash

Die Zeiten sind schnell, wir machen viel – viel zu viel und alles gleichzeitig. Am Ende nichts so richtig. Die To-Do-Liste ist nimmersatt und der Kopf läuft vor dem Zubettgehen auf Dauerschleife. Noch schnell E-Mails checken, instagramen, wieder wach sein und schon wieder nicht einschlafen können. So geht es weiter, bis man am vierten Tag dann endlich tot ins Bett fällt. Das moderne Leben ist stressig, so ist es halt. Die Work-Life-Balance ein Gott, an den wir schon lange nicht mehr glauben. Ah, aber sieh dort, Wochenende in Sicht. Jetzt muss all das aufgeholt werden, was man während der Woche verpasst hat. Freizeitstress Deluxe. Vielleicht dann doch besser mal auf Gipfelsuche gehen, von Samstag bis Sonntag im Wolkenmeer baden.

Sarkasmus und Übertreibungen beiseite. So schlimm ist es nicht, zumindest nicht immer. Jedoch fällt es immer schwerer in einer Dauer-Online-Welt wie der unseren einfach mal abzuschalten. Handysüchtig sind wir ja irgendwie alle. Oder zumindest bildschirmaffin. Und es gibt in unserem ebenso technisierten Alltag selten noch Momente, die uns mal wirklich hinauszerren aus der Filterblase.

All the way up

Jedes Mal aufs Neue müssen sich meine Augen erst wieder an die Weite gewöhnen. Chronische Kurzsichtigkeit als Folge der tagtäglichen Belichtungszeit. Aber wenn ich mich ein paar Augenschläge später daran gewöhnt habe, komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Blühende Wiesen, Bäche voll sprudelndem Wasser und die atemberaubende Aussicht auf die raue Wildnis der Felskolosse.

Ich liebe das Wandern, das monotone Schritt für Schritt in eine Richtung gehen. Es gibt nur ein einziges Ziel und das ist der Gipfel, oder in meinem Fall die Käsespätzle, die nach der Anstrengung noch viel besser schmecken. Hierbei muss ich an ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry denken, als es dem Erzähler und dem kleinen Prinzen endlich gelingt, inmitten der Wüste einen Brunnen gefüllt mit Wasser zu finden.

„Dieses wasser war kein bloßes Nahrungsmittel. es war entstanden aus dem marsch unter den Sternen, aus dem Gesang der Seilrolle, aus der Anstrengung meiner Arme.“

Die investierte Kraft und die Mühe machen das erreichte Ziel erst wertvoll. Denn nichts, was es sich auf der Welt zu haben lohnt, ist umsonst. Und es tut so gut mal wieder etwas zu erreichen.

Als Bücherwurm das Licht der Welt erblickt, verzehrt sie auch heute noch Kästner, Precht und Heidegger zum Frühstück. Auf der Suche nach der perfekten Metapher treibt sie das Fernweh in die schönsten Schlupfwinkel der Erde. Wenn sie nicht schreibt oder liest, findet man sie in den Bergen, beim Klettern, oder auf ihrem Pferd durch die Großstadtprärie reitend.