Eine Idee Liebe: Orgien in Griechenland?

Wie liebte man sich im antiken Griechenland? Bild: Pixabay

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Liebe. Was bedeutet das für dich? Sehr wahrscheinlich fallen dir Wörter wie Romantik, Zweisamkeit oder Ehe ein. Keine Sorge, dass ist bei mir nicht anders. Und doch ist unsere Idee der Liebe noch ziemlich neu. In der Antike hatte das Wort eine völlig andere Bedeutung. Genau darum soll es in dieser Ausgabe gehen. Wie liebten die alten Griechen? Wie führten sie ihre Beziehungen? Und waren sie uns in einigen Dingen vielleicht sogar voraus?

Ich sitze zwischen zwei Seminaren in der Unibibliothek und klicke mich wahllos durch die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender. „Liebe in der Antike“. Scheinbar bin ich nicht die Erste, die das Thema interessiert. Was fasziniert uns nur so sehr an den alten Griechen? Ich für meinen Teil finde sie irgendwie frei und mystisch und während ich das aufschreibe, durchläuft mich auch schon ein Schauer. Das klingt ja furchtbar kitschig. Hinter mir läuft ein Kommilitone vorbei und bleibt nach einem Blick auf meinen Bildschirm ruckartig stehen. „Was recherchierst du? Die Geschichte der Prostitution?“, fragt er ein bisschen zu laut und prompt drehen sich alle Köpfe nach ihm um. Irgendwo ertönt ein genervtes: „Psssst!“ – „Spießer!“, entgegnet Lukas und setzt sich zu mir. Ich flüstere. „Nee, ich suche nach der Liebe in der Antike.“ – „Warum? Findest du sie hier nicht?“ Er zwinkert mir zu. Dann macht er eine Kopfbewegung in Richtung Cafeteria. Ich packe meine Sachen zusammen und folge ihm zum Ausgang der Bibliothek.

Sind das alles Klischees?

Keine 10 Minuten später sitzen wir an einem der großen Tische in der Mensa, jeder einen Milchkaffee vor sich stehend. Lukas studiert Geschichte im Hauptfach und hat eine erstaunliche Begeisterung für die Antike entwickelt. Mein Glück. „Also, was willst du über die Orgien in Griechenland wissen?“ Er grinst. „Naja, zum Beispiel, ob es die überhaupt gab“, entgegne ich. „Waren die Griechen wirklich so freigiebig?“ Lukas schüttelt den Kopf und fängt dann an zu nicken, was wirkt, als hätte er sich den Nacken verdreht. „Kommt ganz drauf an. Die Definition der Liebe war einfach eine andere.“ – „Klär mich auf!“

Ich klappe meinem Laptop auf, während Lukas sich einen schlechten Witz verkneift. Dann beginnt er mit seinem Monolog. „Also, vielleicht muss man erst einmal verstehen, dass die Griechen eine Liebesheirat so nicht kannten. Ja, es wurde geheiratet, aber die Ehen waren meist arrangiert. Es ging da mehr um die Erbreihenfolge als um Liebe. Ehen wurden geschlossen, damit klar ist, wer was erbt. Die Eltern wollten das eigene Kind in guten Händen wissen. Wobei gute Hände sich eher auf finanzstarke Hände bezieht. Außerdem ging es darum den sozialen Status zu sichern. Ehen bedeuteten immer auch Netzwerke und die waren damals verdammt wichtig.“ Gut, das hatte ich mir schon fast gedacht.

„Also, waren Ehen eher eine nüchterne Angelegenheit?“ – „Na das kann man so nun auch wieder nicht sagen. Manche Ehen waren sicher auch romantisch, aber eigentlich fand die Romantik eher außerhalb der Ehe statt. In der Ehe war man sich einig darüber, dass man sich gegenseitig versorgt und füreinander da ist. Wenn nebenbei noch romantischer Sex stattfand, dann war das gut. Gab es diesen aber nur, um Nachkommen zu zeugen, durften sich insbesondere die Männer auch gerne woanders nach Romantik umschauen.“

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.