Zwei Personen im Hintergrund flüstern über einen Mann, der im Vordergrund sitzt. Bild: Pexels

Der Chef hat eine Affäre mit der Sekretärin, die Nachbarin ist ungewollt schwanger geworden und Armin Laschet hat die Noten seiner Student*innen gewürfelt – nichts befriedigt uns mehr, als (still und heimlich) an dem skandalösen Leben anderer teilzuhaben. Aber warum eigentlich?

Skandal ist ein Synonym für Affäre und bezeichnet dabei nicht nur eine Liebesaffäre, sondern eine anstößige, unerhörte Angelegenheit, die sich auf ein weites Spektrum beziehen kann und ebenso in Politik und Wirtschaft vorkommt. Ein Skandal wird als solcher bezeichnet, wenn die geltenden Norm- und Wertvorstellungen einer Gesellschaft missachtet werden. Wenn die moralischen Grenzen überschritten werden, ruft das Entrüstung und Empörung hervor und gibt gleichzeitig Rückschlüsse auf die vorherrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen, denn: Was als Skandal gilt, kann sich immer ändern, je nach Zeit und Kulturkreis.

Insbesondere die Medien treiben eine Skandalisierung schneller voran als noch vor einigen Jahren. Besonders gefährlich sind die sozialen Medien. Nutzer*innen können von der Rolle der Betrachtenden in die Rolle der Skandalisierenden wechseln und selbst eigene Inhalte und Informationen über Personen oder Institutionen veröffentlichen. Zwar ist es positiv, dass durch die Nutzung von Social Media die Schicksale von Betroffenen schneller und besser Gehör finden, jedoch werden die skandalisierten Menschen schneller verurteilt und falschen Inhalten mehr Glauben geschenkt. Die sogenannte Cancel Culture findet durch Social Media viel schneller und weitreichender Einzug in unsere Gesellschaft.

Skandale befördern den eigenen sozialen Status

Obwohl wir vor anderen immer beteuern, dass uns das Leben von Prominenten, Politiker*innen oder Arbeitskolleg*innen eigentlich gar nicht interessiert, erwischen wir uns doch hin und wieder dabei, unsere Ohren zu spitzen, wenn in der Cafeteria mal wieder der neueste Klatsch und Tratsch verbreitet wird. Aber warum lieben wir es eigentlich so, uns am Leid anderer zu ergötzen? Zunächst einmal haben wir die Möglichkeit, uns durch Skandale in eine erhabenere Position zu rücken. Indem wir etwas oder jemanden als skandalös betiteln, rücken wir uns selbst und unsere moralischen Vorstellungen in ein besseres Licht und legitimieren uns damit selbst. Skandale sind also auch Mittel zum Zweck: Je schlechter der Ruf von jemand anderem ist, desto besser ist der eigene soziale Status.