Liebeserklärung an: Die Studi-WG

junge Menschen gemeinsam in der Küche

Es sind die kleinen Dinge oder Gefühle, die uns den Alltag versüßen. Wir alle kennen diese kleinen Muntermacher, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder die guten Tage noch schöner werden lassen! Unsere Liebeserklärung bietet diesen Glücksmomenten eine Bühne.

Liebe Student*innen-WG,

Ich wollte einmal danke sagen. Danke, dass du mein Zuhause bist, in einer Zeit, die so viele Umbrüche und so viel Neues mit sich bringt. Danke, dass du mein Rückzugsort bist, mein sicherer Hafen, in den ich mit all meinen Erlebnissen, meinen Sorgen und Freuden einlaufen darf. Nach wilden Partynächten bist du da für mich, fängst mich sanft auf in meinem bequemen Bett und niemand verurteilt mich, wenn ich am nächsten Tag bis 14 Uhr schlafe, um mir dann einen Döner zum Frühstück zu holen. In dir wohnt die Freiheit, die Spontanität und die Selbstverwirklichung.

Danke dir für meine Mitbewohner, für diese Menschen, die in kürzester Zeit von Fremden zu Familie geworden sind. Ganz egal, ob ich Trost suche, weil ich Liebeskummer habe, Hilfe brauche, ein IKEA-Regal aufzubauen oder einfach nur Gesellschaft bei meiner Netflix-Serie möchte. Mühelos bietest du all das. Im Schlafanzug und ohne das Haus zu verlassen, tapse ich zu unmöglichen Uhrzeiten einfach ein Zimmer weiter und lege mich neben einen Menschen, der mich besser kennt als die meisten. Eine WG mit den richtigen Leuten ist wie eine Übernachtungsparty, jeden Tag. Immer ist jemand da, der mit mir in der Wohnung Fußballspielen oder Kuchen backen möchte. Wenn ich für die Uni lerne, ist für Ablenkung und gemeinsame Prokrastination gesorgt.

Deine Küche beherbergt so viele Kochabende, die zu Nächten mit Kartenspielen und Deeptalk werden. Jeder Gast wird automatisch in die erweiterte WG-Familie aufgenommen, es gehen die interessantesten Leute ein und aus. Es mag zwar Chaos herrschen im Kühlschrank und in den Regalen, der Flur ist tapeziert mit Verkehrsschildern und Plakaten von vergangenen Festivals und sauber ist es auch eher selten. Doch zwischen dem dreckigen Geschirr, zusammengewürfelten Möbeln, herumstehenden Schuhen und Weinflaschen, da fühl ich mich zuhause, ich kann ganz sein, wie ich bin.

Natürlich haben wir auch schon unsere Reibereien gehabt, wenn der Mitbewohner tagelang seine eingetrocknete Pfanne nicht spült oder wenn man eben trotz Trubel manchmal einfach Ruhe braucht. Doch an diesen Momenten wachsen wir. Ich lerne, für mich einzustehen und Konflikte zu lösen. In dieser WG werde ich ein ganzes Stück erwachsener und reifer, ich lerne Neues. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass man Spülmaschinen gelegentlich reinigen muss, weil sie sonst einfach aufhören zu funktionieren. Die Studi-WG ist die Probezeit fürs Erwachsensein, alle Fehler werden großmütig verziehen.

In dir, liebe Studi-WG, kann ich mich frei entfalten, ich kann tun und lassen was ich will. Du bist ein Sicherheitsnetz, das mich auffängt. Kein Problem muss ich allein angehen, ganz egal, ob eine versemmelte Klausur, Herzschmerz oder Sperrmüll entsorgen. Wenn ich keine Nudeln mehr habe, muss ich nicht extra einkaufen gehen, die Mitbewohnerin entbehrt mir ihre.

Auch wenn wir uns eines Tages trennen werden, liebe Studi-WG, ich werde die Erinnerung an dich ein Leben lang im Herzen tragen. Du hast mich geprägt und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Du hast mich vieles gelehrt, Lektionen, auf die ich immer zurückgreifen werde. Dank dir bin ich selbstständig und übernehme Verantwortung. Du machst mich zu einem besseren Menschen.

In ewiger Liebe,

Deine Lisa

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Foto von cottonbro von Pexels; CCO-Lizenz

Immer unterwegs. Momentan wahrscheinlich in den französischen Alpen. Leicht zu begeistern. Ganz besonders für Sport, vegane Leckereien, gute Romane, Yoga und Fremdsprachen.