Frau in einem altrosa Kleid

LiebesLeben: Nur du und niemand sonst! Bedeutet Liebe Verzicht?

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Katja malt mit Sprache Bilder auf ihre Wortleinwand. In ihrer Kolumne nimmt sie euch mit in ihr Atelier: Als absoluter Gefühlsmensch schreibt sie über die Liebe und das Leben – ein bisschen philosophisch und ein bisschen psychologisch, mit einem Hauch von Melancholie.

Wir alle lieben gemäß der Idee von Liebe, mit der wir sozialisiert worden sind. Liebe bedeutet dementsprechend vieles. Liebe bedeutet, immer füreinander da zu sein, wenn man sich braucht. Liebe bedeutet, zuzuhören und zu verstehen. Liebe bedeutet, Kompromisse einzugehen und zu kämpfen. Liebe bedeutet, warten zu können und einander Zeit zu geben.

Eine weitere Eigenschaft, die der Liebe oft zugeschrieben wird, ist die uneingeschränkte Bereitschaft, zu verzichten. Und mit dieser Zuschreibung habe ich, im Gegensatz zu all den anderen genannten Teildefinitionen von Liebe, gewissermaßen ein Problem.

Verzicht kann sich natürlich auf ganz verschiedene Dinge beziehen. Mein erster Freund hatte eine ganze Weile lang beispielsweise ein großes Problem damit, wenn ich viel Alkohol getrunken habe. Er hat sich also gewünscht, dass ich für ihn darauf verzichte, viel zu trinken. Genauso kann sich Verzicht darauf beziehen, nicht mehr im Club feiern zu gehen oder kein Auslandssemester zu machen, weil man dann zu lange weg wäre. Worum es aber meistens geht, ist wohl der Verzicht auf andere Männer bzw. Frauen.

Das Wort „Verzicht“ suggeriert dabei immer, dass man sich etwas, was man eigentlich gern hätte oder sogar zum Glücklichsein braucht, bewusst nicht genehmigt. Deutlich wird das beispielsweise am sogenannten Verzicht auf Fleisch. Diese Formulierung suggeriert, dass man eigentlich gern Fleisch essen würde, es aber aus ethischen Gründen nicht tut. Allerdings verspüren überzeugte Vegetarier*innen die meiste Zeit überhaupt kein Bedürfnis nach Fleisch. Das Wort Verzicht ist hier also nicht ganz richtig gewählt, da die meisten Vegetarier*innen sich einerseits nicht nach Fleisch sehnen und der menschliche Körper andererseits auch nährstofftechnisch nicht auf Fleischkonsum angewiesen ist. Streng genommen verzichten Vegetarier*innen also nicht auf etwas, das sie eigentlich haben möchten, sondern konsumieren schlichtweg kein Fleisch, weil sie es nicht wollen.