Fütterer is(s)t anders: Warum sind Pflanzendrinks und vegane Lebensmittel so teuer?

Haferdrink schmeckt super im Kaffee, ist aber viel teurer als Kuhmilch. Warum eigentlich? Bild: Unsplash

Politik bevorzugt Milch, Butter und Fleisch

Auch Subventionen tragen zum Preisunterschied bei. Der Bund fördert die Milchbauern und -bäuerinnen in Deutschland mit Direktzahlungen und Zuschüssen, um die Herstellungskosten im Vergleich zum Preis, der im Laden erzielt werden soll, gering zu halten. Laut einem Bericht der Zeit und dem Bundesratsbericht im März 2019 nahmen die staatlichen Beiträge für einen durchschnittlichen Milchproduzent*innen zwischen dem Jahr 2000 und 2015 um 60 Prozent zu. Landwirt*innen erhalten viel weniger Unterstützung. Stärker subventioniert werden auch andere tierische Produkte im Vergleich zu pflanzlichen Nahrungsmitteln. Hinzu kommt, dass der Großteil der veganen Produkte als verarbeitet gilt und daher mit 19 Prozent Mehrwertsteuer besteuert wird. Für Fleisch, Butter und Milch hingegen werden nur sieben Prozent fällig.

Wir bezahlen es

Kein Supermarkt mehr ohne ein komplettes Regal voll mit Fleischersatzprodukten und kein hippes Café ohne Milchalternative: Pflanzliche Lebensmittel liegen nach wie vor im Trend – und sind gefragter denn je. Die Akzeptanz und auch die Nachfrage nach Alternativprodukten wächst. In Deutschland gibt es laut einer Umfrage 41 Prozent Flexitarier*innen, die ihren Konsum von tierischen Lebensmitteln reduzieren wollen. Sie sind nicht nur offen gegenüber einem vegetarischen oder veganen Lifestyle, sondern auch bereit, dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Kein Wunder, dass die Gewinnmargen bei veganen Produkten darum auch sehr hoch liegen – bis zu 40 Prozent des Preises lassen sich darauf zurückführen. Das liegt auch daran, dass es im Vergleich nicht viele Wettbewerber*innen gibt. Zwar ist das Sortiment an Milchalternativen groß – Cashew, Mandel, Hafer, Soja, Reis, you name it – allerdings stammen sie meist nur von einem oder zwei großen Produzent*innen.

Was wir tun können, damit sich etwas ändert

Noch können sich die Produzent*innen diese hohen Gewinnmargen erlauben. Aber Nachfrage bestimmt das Angebot. Je mehr Menschen vegane und vegetarische Ersatzprodukte kaufen, desto mehr Angebot wird es geben und umso tiefer können Produktionskosten gedrückt werden. Die Rügenwalder Mühle macht’s vor.

Also: Fleißig weiter den Cappuccino mit Haferdrink schlürfen. Und diese Petition unterschreiben: https://weact.campact.de/petitions/hafer-sojamilch-und-co-jetzt-steuersatz-von-19-auf-7-senken

Mehr aus der Kolumne „Fütterer is(s)t anders“:

Folge ZEITjUNG auf FacebookTwitter und Instagram!

Bildquelle: Leon Seibert von Unsplash; CC0-Lizenz

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.