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Der Langzeitstudent „Basti“ wird Kanzler: Wie denken junge Österreicher über Sebastian Kurz?

Nicht nur in Deutschland raschelte es in der politischen Landschaft. Auch in Österreich wurde am 15. Oktober die Urne geschwungen.

Hier in Österreich heißt der Stimmzettel zwar Wahlkarte und mancherorts schließt das Wahllokal schon um 12 Uhr, direkt nach der Kirche natürlich, aber das Wahlergebnis ist, genau wie in Deutschland, nachhaltig erschütternd. Ein bisschen rot, ein bisschen blau, ein bisschen schwarz. SPÖ, FPÖ, ÖVP. Pest, Cholera und Ebola. Ich muss zugeben, das Sprachbild stammt nicht von mir, so erklärte am Sonntagabend aber Matthias Strolz, Vorsitzender der NEOS, welche Möglichkeiten den Bürgerinnen Österreichs am Wahlsonntag zur Verfügung standen. Eine der Möglichkeiten war Sebastian Kurz.

 

Wer ist er?

 

Sebastian Kurz ist einer von uns: Ein junger Typ, gerade einmal 31 Jahre alt, Sohn einer Lehrerin und eines Technikers, Langzeitstudent der Rechtswissenschaften mit 0,0% Aussicht auf einen Studienabschluss. Den braucht er seit vergangenem Sonntag aber auch nicht mehr, denn der „Basti“, wie er liebevoll von manchen Österreicherinnen genannt wird, ist bald Bundeskanzler. Zumindest, wenn er einen Koalitionspartner findet. Politisch verwurzelt ist er in den Untiefen der Österreichischen Volkspartei. Die ÖVP setzt sich vor allem für die Belange der Bauern und der römisch-katholischen Kirche ein. Ja, in genau dieser Reihenfolge. Jetzt wisst ihr auch, warum wir in Österreich zwar nicht die Ehe für alle, dafür aber ein Vollverschleierungsverbot haben.

 

Was will er?

 

Sebastian Kurz will vor allem eines: Die Landespolitik verändern. Er ist überzeugt davon, dass Österreich eine neue politische Kultur braucht. Mehr Bewegung im lahmen Politikeinheitsbrei. Das hat er vor allem an der Stimmung der Bürgerinnen ablesen können. Die haben nämlich nach einem wahren Politikdesaster der letzten Jahre nicht mehr allzu viel mit den alteingesessenen Volksparteien am Hut. Auch nicht mit der ÖVP und deshalb war für Kurz klar: Eine Bewegung muss her! Zur Wahl trat er deshalb auch mit der „Liste Sebastian Kurz“ an und warb unter diesem Deckmantel für sein stets perfekt rasiertes Gesicht und ein neues, viel jüngeres, viel pro-europäischeres Österreich. Voller Elan sah er von seinen Wahlplakaten auf die vorbeifahrenden Autos hinab. „Es ist Zeit“, stand auf einem Plakat und auf dem nächsten: „Tun, was richtig ist.“ Das eingerostete Parteiensystem wollte er durchbrechen. Mit nichtssagenden Wahlslogans hat er zumindest den Willen all jener gebrochen, die die ÖVP eigentlich nicht mehr wählen wollten.

Ähnlich wie Macron hat Kurz zwar eine Bewegung gestartet, anders als der französische Staatspräsident hat er jedoch die alten Parteien nicht hinter sich gelassen, sondern ihnen lediglich kurzzeitig einen neuen Stempel aufgedrückt.

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