Sex und Soda: Nudes – No-Go oder Standard?

Eine Frau post sexy in Unterwäsche. Bild: Unsplash

In dieser Kolumne schreibt Mila Bach über die prickelnden und weniger prickelnden Momente im Leben. Diesmal geht es um das Verschicken von Nacktfotos.

Im letzten Jahrzehnt hat sich das Verschicken von Nacktbildern zu etwas ganz Normalem etabliert. Niemand findet es mehr verwunderlich, wenn man sich in sexy Posen fotografiert und vielleicht sogar etwas mehr zeigt. Ist das gut oder schlecht?

In der neuen Serie „Nudes – Nackt im Netz“ wird das Thema zum hundertsten Mal so behandelt, wie man es kennt: Verschickt niemals Nacktbilder, sie werden euch immer schaden. So wichtig der Ansatz der Serie auch ist, sollte man trotzdem nicht alles verteufeln. Denn Fakt ist: Viele Menschen und vor allem Jugendliche verschicken Nacktbilder und werden es vermutlich auch weiterhin tun. Wie bei allem, sollte man nur wissen wie.

BH oder komplett nackt?

Das Verschicken von Nudes hat sich in den letzten zwanzig Jahren in unserer Gesellschaft etabliert. Durch Smartphones und WhatsApp ging es noch nie einfacher. Früher musste man noch Polaroid-Fotos von sich machen, hatte dafür meist nur ein paar Versuche und musste das Foto dann auch noch händisch übermitteln. In diesen Zwischenschritten hatte man genug Zeit, um darüber nachzudenken, ob man das wirklich machen sollte. Heute holt man sein Handy raus, knipst fünfzehn verschiedene Posen und insgesamt hundert Fotos, sucht sich das Beste aus und verschickt es mit einem Klick. Fürs Nachdenken bleibt da nicht mehr viel Zeit. In meiner Schulzeit gab es noch keine Smartphones. Aber auch die alten Sony Ericson & Co. reichten, um heiße Schnappschüsse zu machen. Ich weiß bis heute noch, welche Mädels von damals nur unschuldige BH-Fotos und welche komplette Nacktfotos verschickten. Denn es blieb nun mal nie bei einem Typen, sondern verbreitete sich wie Lauffeuer. Ich erinnere mich, wie manche Jungs ganze Ordner angelegt hattet, worin sie nur Nacktbilder von Mädels sammelten und sie allen zeigten. Aber ich muss ganz ehrlich sagen: Der Druck der Jungs war damals riesig. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich nach Nacktbildern gefragt wurde. Einmal habe auch ich so halb nachgegeben.

No Face please

Es war ein schwarz-weißes Foto, auf dem ich mit meinen Händen meine Brüste verdeckte. Ich dachte damals: Heißer als ein BH-Foto, aber nicht so „schlimm“ wie ein Nacktfoto. Ich schickte es einem Jungen, in den ich verliebt war und der mir versprach, es nicht weiter zu schicken. Und ich hatte Glück. Das Foto hat nie die Welle gemacht. Trotzdem habe ich mir monatelang den Kopf zerbrochen, ob es schon jeder hat und man mich anhand meiner Hände erkennt. Das Gesicht habe ich nämlich nicht mitfotografiert. Und genau DAS ist der Punkt. Ich finde, man kann so viele Nudes verschicken, wie man will, und wenn man sich die möglichen Konsequenzen vor Augen führt, geht das auch niemanden etwas an. Aber bitte fotografiert nur euren Körper. Dadurch kann man sich wunderbar vor Missbrauch schützen und außerdem sieht ein verführerischer Blick oft gar nicht so sexy aus, wie man vielleicht denkt. Und wenn euch jemand überreden möchte, dass euer Gesicht unbedingt drauf sein soll, dann müssen eure Alarmglocken angehen.