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Was dein Status zu Schulzeiten mit deiner heutigen Beliebtheit zu tun hat

Deine Verhaltensweisen in den ‚Peer Groups‘ deiner Jugend haben mehr mit deinem heutigen Status zu tun, als du denkst.

Warst du in deiner Schulzeit eher ein graues Mäuschen, das mit den Leuten aus der gleichen Stufe nicht viel anfangen konnte? Oder eher doch die Sportskanone und hast mit deinem trainierten Body alle Mädels verzaubert? Auch wenn es uns vielleicht nicht so bewusst ist, gibt es auch an deutschen Schulen das Phänomen der „Famous People“, welches wir eigentlich nur aus kitschigen amerikanischen Teenie-Streifen mit Amanda Bynes oder Zac Efron in der Hauptrolle kennen. Hierzulande sind es nicht die typischen Cheerleader, Footballer oder Schülersprecher, die den Ruf als „Everybodies Darling“ haben.

Nein, in Deutschland äußert sich das nicht so offensichtlich. Eher unterschwellig merken wir, welche Schüler eine besondere Aura umgibt, die irgendwie allen sympatisch ist. Das macht sich nicht nur in der Schule bemerkbar, sondern lässt sich auch auf den Freundeskreis übertragen. Überall gibt es doch dieses bestimmte Mädchen, das jeder kennt, das jeder mag und über das niemals ein schlechtes Wort verloren wird. Oder diesen einen Jungen, der einfach die positivste Ausstrahlung überhaupt hat und mit jedem klar kommt. Wie sich diese Beliebtheit aus Schul- und Jugendzeiten auf unser Erwachsen sein auswirkt, hat der Psychologe Mitch Prinstein in seinem Buch Popular: The Power of Likability in a Status-Obsessed World erläutert.

 

Erinnerungen, die sich einbrennen

 

Prinstein ist Psychologe und hat sich mit dem Phänomen der Beliebtheit in amerikanischen High Schools auseinander gesetzt. In seinem Buch (auf Deutsch etwa „Populär: Die Macht der Beliebtheit in einer Status-Besessenen Welt“) erklärt er, wie und wodurch sich der Mensch zu dem entwickelt, was er ist.

Wie wir alle wissen, lernen wir nur aus der Vergangenheit für die Zukunft. Auch in unserem Körper, genauer in unserem Hirn, geschieht so eine Art des Fortschritts. In der Pubertät ist die Entwicklung des menschlichen Gehirns so ausgeprägt, wie an keinem Zeitpunkt des Lebens sonst. Eine kritische, aber auch wichtige Phase, denn wir distanzieren uns von kindlichem, spontanem Denken und fangen an, andere Sichtweisen und Konsequenzen in unsere Entscheidungen einzubeziehen. Erfahrungen, die wir in jungen Jahren machen, werden uns das Leben lang begleiten und beeinflussen. Diese Erinnerungen wirken sich vor allem auf unsere Gedanken, aber auch auf unser Urteilsvermögen und Handeln aus. So sind alle noch so zufälligen Reaktionen, die wir zulassen und Entscheidungen, die wir treffen, Resultate aus Situationen, die wir in der Vergangenheit durchgemacht haben. Und wo haben wir die meiste Zeit unserer Pubertät verbracht? Genau, in der Schule und unter Freunden (bestenfalls gleichzeitig).

 

Damals …

 

Ein Beispiel, welches Mitch Prinstein in seinem Buch nutzt, kennen wir alle. Du stehst irgendwo, lass es einen Bahnhof sein, an dem viele Menschen unterwegs sind. Plötzlich rempelt dich eine Person im Vorbeigehen an. Was passiert? Du schreckst kurz auf und entschuldigst dich. Aber warum – du selbst wurdest doch gestoßen? Diese Reaktion scheint daher zu kommen, dass du das schon seit der heißen Phase deines Daseins, also der Pubertät, so gemacht hast. In der Vergangenheit hast du also herausgefunden, dass der Satz in dieser Lage am Besten für dich funktioniert und dir somit das Leben in den heiligen Hallen der Schule erleichtert. Dein Gehirn hat sich genau diese Situation und die dazugehörige Reaktion eingeprägt – und holt sie in ähnlichen Situationen wieder hervor.

 

Liebling oder Loser?

 

Du hast dich bemüht, möglichst sympatisch, nett und freundlich zu sein und es quasi jedem Recht zu machen. Damit wolltest du dir einen Platz in den auf den oberen Rängen der Beliebtheits-Skala sichern. Denn wer möchte schon unter den Mitschülern als unhöflich, mürrisch oder vielleicht sogar arrogant und eingebildet abgestempelt werden? Wahrscheinlich nur jemand, dem sein sozialer Status nicht sehr am Herzen liegt – oder der Stolz wichtiger ist. Es ist ja auch manchmal so, dass die Kids, die während ihrer Schulzeit schon „angesehen“ waren, später im Leben mehr erreichen. Es gibt aber trotzdem kein Rezept, welches aus den coolen Kids der Oberstufe plötzlich erfolgreiche Geschäftsmänner- oder Frauen werden lässt. Nein, diesen Weg muss man schon selbst gehen. Dennoch ist es sicher von Vorteil, wenn man einen schon zu Schulzeiten in einen großen Freundeskreis integriert ist und sich dadurch seiner Qualitäten bewusst ist – und diese eben nutzt!

So spielt auch nicht nur der Unterrichtsstoff eine tragende Rolle im Schulalltag, auch die Umgebung und die Beliebtheit unter Mitschülern kann für deinen Charakter extrem wichtig sein. Dennoch: Du bist du. Und nur du kannst entscheiden, wie und vor allem wer du sein willst. Lass dich nicht von anderen in Schubladen schieben – denn das Leben ist schließlich kein Ikea-Regal.

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