Die Superfood-Lüge

Eine Frau isst eine Acai-Smoothie-Bowl

Das erste Superfood der Weltgeschichte war die Banane: Im frühen 20. Jahrhundert veröffentlichte die US-amerikanische United Fruit Company verschiedene Broschüren, die sich mit den positiven Eigenschaften der Frucht auseinandersetzten. Das Unternehmen wollte so seinen Umsatz steigern und gleichzeitig dafür sorgen, dass das gelbe Obst an Popularität gewinnt. Tatsächlich hatten Bananen einige Vorteile zu bieten: Sie waren günstig, leicht verdaulich und wurden im ganzen Land zum Verkauf angeboten. Mediziner*innen fanden schließlich sogar heraus, dass Bananen sich positiv auf den Verlauf von Diabetes und Zöliakie auswirkten. In Fachzeitschriften, in denen sie die Ergebnisse ihrer Studien darstellten, verwendeten sie erstmals den Begriff „Superfood“. Heutzutage geht es beim Verkauf von Superfoods nicht nur um die Behandlung von Krankheiten, sondern vielmehr darum, den eigenen Körper mit entsprechenden Inhaltstoffen in Bestform zu bringen. Açaíbeeren beispielsweise sollen dank ihres hohen Gehalts an Antioxidantien dazu beitragen, Arteriosklerose zu verhindern. Außerdem kurbelt die Frucht vermeintlich den Stoffwechsel an, begrenzt das Hungergefühl und soll dadurch beim Abnehmen helfen. Gojibeeren wird eine ähnliche Wirkung zugesprochen: Sie sollen Schlafprobleme lindern, Krebs vorbeugen und einen positiven Effekt auf unser Sehvermögen haben. Für all diese Behauptungen gibt es bisher jedoch keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Humanstudien, die das Potenzial der Lebensmittel belegen könnten.

Fakt ist: Viele Superfoods sind tatsächlich reich an wichtigen Nährstoffen, die unser Immunsystem stärken können. Diese finden sich jedoch nicht nur in den Wunder-Lebensmitteln, sondern auch in vielen heimischen Obst- und Gemüsesorten. Tomaten enthalten ebenso viele Antioxidantien wie Açaíbeeren, die Tagesdosis Chia-Samen kaum mehr Omega 3 als ein Esslöffel Rapsöl und das in Spirulina enthaltene B12, welches die Mikroalge für Vegetarier*innen und Veganer*innen attraktiv machen soll, ist für den Menschen größtenteils nicht verwertbar. Die meisten Superfoods legen zudem tausende Kilometer zurück, bis sie auf unserem Teller landen – der Vitamin- und Nährstoffgehalt geht dabei nach und nach verloren. Wer wirklich etwas für seinen Körper und gleichzeitig auch für das Klima und seinen Geldbeutel tun möchte, sollte daher die Finger von ausgefallenen „Superfoods“ lassen und stattdessen auf altbekannte Alternativen wie Walnüsse, schwarze Johannisbeeren oder Leinsamen zurückgreifen.

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Bildquelle: Jonathan Borba on Pexels, CC0-Lizenz

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.