Boykott der WM in Katar?

Die WM in Katar: Was soll man davon halten? Bild: Pexels

Die kommende Fußballweltmeisterschaft findet in Katar statt. Während sich die besten Fußballer der Welt in hochmodernen Stadien messen werden, herrschen im Hintergrund katastrophale Zustände. Ein Kommentar über das Emirat und über Korruption, Klimaschädlichkeit und Menschenrechtsverletzungen reflektiert einen möglichen Boykott des Turnieres. 

Erst kürzlich qualifizierte sich die deutsche Mannschaft endgültig für die kommende Weltmeisterschaft. Doch so wirkliche Vorfreude kommt bisher nicht auf. Das liegt zum einen an den Enttäuschungen der letzten Jahre, aber vor allem an dem kommenden Turnier an sich. Dieses findet im Wüstenstaat Katar statt und startet in knapp einem Jahr – also mitten im Winter und damit während der Saison. Rein aus Sicht der Sportler ist dieses Turnier also schon suboptimal. Die Spieler müssen auf Grund der klimatischen Bedingungen im Sommer – in ihrer eigentlichen Winterpause – ein komplettes Turnier absolvieren. Macht die Vergabe der Weltmeisterschaft unter diesen Aspekten Sinn? 

Zudem waren die alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften vor allem dann immer begeisternde Fußballfeste, wenn sie in fußballverrückten Ländern ausgetragen wurden. Das kann man von Katar wohl wahrlich nicht behaupten. Fußball und Sport allgemein hat in der Bevölkerung keine Tradition. Vielmehr versucht das Emirat durch den Einstieg in die Sportwelt sein Image als internationaler Akteur aufzupolieren und seinen Einfluss in der Welt zu vergrößern. Sollte man dieses Vorhaben unterstützen? 

Auch aus nachhaltiger Sicht ist die Turniervergabe nach Katar kritisch zu sehen. Die acht Stadien werden mitten in der Wüste aufgebaut und danach vermutlich nie wieder verwendet. Damit dieses gigantische Bauvorhaben gelingt, wurden für die Baustellen hauptsächlich ausländische Arbeiter angeworben. Allein 30.000 Arbeitsmigranten arbeiten an den Baustellen rund um die Fußball-WM. Die meisten von ihnen sind Opfer des Kafala-Systems: Die Einreise der Migranten erfolgt dabei nur bei einer Arbeitsgenehmigung einer konkreten Baufirma. Damit begeben sich die Arbeiter in die Abhängigkeit ihrer Arbeitgeber. Die Folge: Reisepässe werden einbehalten, Löhne bleiben aus und die Wohnsituationen und Arbeitsbedingungen sind menschenunwürdig, Todesfälle auf den Baustellen keine Seltenheit. Seit WM-Vergabe im Jahr 2010 sind bereits 6.500 Arbeiter auf Baustellen im ganzen Land verstorben. Wie kann man solche menschlichen Schicksale zulassen? 

Die Situation um die Arbeiter der WM-Stadien ist beileibe kein Einzelfall. Vorgeschriebene Arbeitsbedingungen und Menschenrechte existieren im ganzen Land kaum. Homosexualität gilt als Straftat und Frauen unter 25 dürfen ohne ihren Vormund keine Verträge unterzeichnen. Es gibt weder organisierte Gewerkschaften, noch frei Medien oder eine unabhängige Justiz – faktisch also keine Gewaltenteilung. Das Emirat wird durch die Königsfamilie geführt, es existiert kein Parlament, sondern lediglich ein Beratergremium. Sollte man eine WM in einer Monarchie austragen? 

Fußballnerd mit Faible für ein gepflegtes Pils, zwischen Dorfkneipe und Strandbar, zwischen Heimatliebe und Reiselust, zwischen Familie und WG, zwischen Döner und Frutti di Mare, zwischen Instagram und Süddeutsche und zwischen Schlager und Deutschrap.