Boykott der WM in Katar?

Die WM in Katar: Was soll man davon halten? Bild: Pexels

Die Antworten auf all diese Fragen sind erstmal eindeutig. Eine Fußball-WM mitten im Winter und mitten in der Wüste, veranstaltet von einem autokratischen Staat mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen, hätte bei der Wahl niemals berücksichtigt werden dürfen. Wie aber kam es dazu, dass ausgerechnet Katar als Ausrichter dieses Turnier ausgewählt wurde? 

FIFA als Quelle des Problems 

Bei der Abstimmung im Jahr 2010 setzte sich das Emirat gegen Mitbewerber aus USA, Japan und Australien durch – in jeglichen Belangen geeignetere Veranstalter. Dennoch hat es Katar auf dubiose Weise geschafft, den Zuschlag der FIFA zu bekommen. Laut verschiedenen unabhängigen Recherchen stehen die Vorwürfe der Korruption und Bestechung von Wahlberechtigten im Raum. Die Staatsanwaltschaft New York wirft in einer Anklage mehreren Ex-Funktionären die Annahme von Bestechungsgeldern vor. Vorwürfe der Korruption und Bestechung gehören mittlerweile zum Alltag bei der FIFA. Eine Neuvergabe der WM 2022 ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch unrealistisch.  

Die Vergabe ist geschehen und sowohl die FIFA als auch das Emirat freuen sich auf ein glanzvolles Turnier mit beeindruckenden Bildern und dem Ziel, das eigene Image aufzupolieren. Die Frage ist also, wie gehen wir als Fans, aber auch die teilnehmenden Fußball-Nationen mit der Situation um? 

Als Fußball-Fan hat man dabei sicher den geringeren Einfluss. Die Handlungsmöglichkeiten beschränken sich lediglich darauf, das Turnier weitestgehend zu ignorieren. Konkret also keine Spiele vor Ort oder im Fernsehen zu verfolgen, aber auch keine Trikots und Fanartikel zu kaufen. Würde das etwas verändern? 

Die einzelnen Nationalverbände hingegen hätten die Möglichkeit, deutlichere Zeichen zu setzen. Man stelle sich einmal vor, einige der Top-Nationen würden die Teilnahme am Turnier boykottieren. Eine WM ohne Deutschland, Frankreich, Italien und Argentinien – das würde zumindest für Aufruhr sorgen. Das Turnier hingegen würde trotzdem stattfinden, solange nicht nahezu alle Länder ihre Teilnahme absagen. Was also kann man von einer solchen Maßnahme erwarten? 

Ein anderer Ansatz ist der viel zitierte Wandel durch Annäherung. Die FIFA, aber auch der FC Bayern München, rechtfertigen mit solchen Argumenten ihre Zusammenarbeit mit dem Emirat. Gleichzeitig wird aber auch regelmäßig der Eindruck erweckt, lukrative Geschäfte mit Katar seien wichtiger als der Einsatz für Verbesserungen vor Ort. Auch Amnesty International, auf die sich die FIFA bezieht, plädiert für eine Zusammenarbeit vor Ort und spricht sich dementsprechend gegen einen WM-Boykott aus. Bereits erste Verbesserungen vor Ort seien erzielt wurden. Vor allem rund um die Baustellen konnte die Situation für die Arbeiter erheblich verbessert werden: Das Kafala-System wurde offiziell abgeschafft, ein Mindestlohn wurde eingeführt. An diesen Fortschritten, so die Menschenrechtler, müsse man weiterarbeiten und sie auf andere Arbeitsbereiche, fernab von den WM-Baustellen, ausweiten. Ist dieses Vorhaben erfolgsversprechend? 

Fußballnerd mit Faible für ein gepflegtes Pils, zwischen Dorfkneipe und Strandbar, zwischen Heimatliebe und Reiselust, zwischen Familie und WG, zwischen Döner und Frutti di Mare, zwischen Instagram und Süddeutsche und zwischen Schlager und Deutschrap.