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Auf Augenhöhe: Berliner Modedesign für kleinwüchsige Menschen

Sie macht Mode für Kleinwüchsige: Sema Gedik revolutioniert mit ihren Designs die Fashionwelt. Deshalb stellen wir sie euch vor!

Wir lieben Leute, die coole Sachen machen. Egal, ob jung oder alt, sobald sich Menschen trauen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, selbständig zu arbeiten oder ein geiles Projekt aus dem Boden zu stampfen: Wir liegen ihnen zu Füßen. Damit noch mehr Leute den Mut dazu finden, stellen wir euch in der neuen Reihe “Einfach Machen“ fünf Menschen vor, die es nicht nur geschafft haben, mit ihrem eigenen Kreativprojekt durchzustarten, sondern die auch von unserem Medienpartner Kultur- und Kreativpiloten ausgezeichnet worden sind –  eine Auszeichnung, die im Namen der Bundesregierung seit 2010 jedes Jahr 32 Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft belohnt. Klingt geil? Ist es auch! Und du kannst dich ebenfalls bis zum 30. Juni 2017 bewerben – alle Infos dazu findest unten im Artikel.

Die junge Berlinerin Sema Gedik entwirft Mode, die Menschen mit „gewöhnlichen“ Körpermaßen nicht tragen können – und das ist toll so! Denn ihre Kreationen heben sich enorm von deren anderer Designer ab, sie hat eine genaue Zielgruppe: Menschen, die kleinwüchsig sind. Gerade Personen, die deutlich unter der Durchschnittsgröße von 1,70 bis 1,80 Meter liegen, fällt es häufig schwer, passende Kleidung zu finden. Sema Gedik wollte diese Tortur beenden – und gründete ihr eigenes Label „Auf Augenhöhe“.

 

Kaum Kleidung für Kleinwüchsige

 

Die junge Designerin mit den dunklen Haaren und der schönen, zarten Stimme hat sich schon lang der Mode verschrieben, doch für ihre Abschlussarbeit an der HTW Berlin überlegte sie sich etwas ganz besonders. Etwas noch nie vorher Dagewesenes. Etwas Sensibles. Etwas, das viel Fingerspitzengefühl verlangt. Ihre Stücke sind so einzigartig wie ihre Träger selbst. Sema designt eben nicht für Models mit den Maßen 90-60-90 und einer überdurchschnittlichen Körpergröße, nein, ihre Mannequins sind zwischen 70 und 150 Zentimeter klein. Auf die Idee kam sie durch ihre Cousine Funda, die selbst kleinwüchsig ist. Sema realisierte: Es gibt kaum Kleidung für Menschen, die mit diesem Gendefekt leben. Allein in Deutschland gibt es rund 100.000 Personen, die betroffen sind, meist müssen sie in der Kinderabteilung einkaufen. Das Problem dabei: Die Schnitte passen natürlich nicht. Sie sind eben für Kinder gemacht und nicht für Erwachsene. Gerade die Frauen haben es schwer: Wohin mit Brüsten und Po, wenn die Kleidung gar nicht darauf ausgelegt ist? Die andere Option für Menschen mit Kleinwuchs ist die Schneiderei, doch es ist nicht nur zeit-, sondern auch enorm geldaufwändig, bei jedem Teil zum nächstgelegenen Schneider zu springen. Dazu kommt, dass man nicht immer nur Jeans und T-Shirt tragen möchte. Für besondere Anlässe oder außergewöhnliche Veranstaltungen gibt es kaum Mode für Personen mit einer geringen Körpergröße.

 

Andere Größen, andere Proportionen

 

Sema erinnert sich noch genau an die Herstellung ihrer ersten Muster: „Ich habe hierbei vielzählige Anproben gemacht. Die Kleidungsstücke, die ich konstruiert habe, saßen überhaupt nicht.“ Sie habe erst einmal die Körperform verstehen und sich die Schnittfähigkeiten dieser Proportionen aneignen müssen, fährt sie fort. Es ist nicht wie bei Kindern, wo alles einfach alles kleiner und filigraner ist. Arme und Beine sind bei dieser Wachstumsform verkürzt, das Gesäß ist eher von großem Umfang. Besonders das Hohlkreuz, unter dem viele Menschen mit Mikrosomie, so der Fachbegriff, leiden, macht Probleme beim Schneidern. Durch Umfragen lernte Sema, mit ihrer Kollektion auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen. Besonders Frauen gaben an, sich Strumpfhosen, Röcke und Kleider zu wünschen. „Bisher erhalte ich positives Feedback und bekomme aber auch durch den direkten Austausch weitere Anregungen und Verbesserungsvorschläge“, erklärt die Jungdesignerin, die sich durchaus bewusst ist, dass sie als „Normalwüchsige“ einen besonderen Status in ihrer eigenen Modelinie hat.

 

Auf Erfolgskurs

 

Ihre eigene Körpergröße entspricht zwar der Norm, doch dieser Fakt ändert nichts an Semas Arbeit. Sie findet, dass Mode alle Menschen in einer Gesellschaft ansprechen sollte, doch für die gängigen Modehersteller sei ihre Zielgruppe derzeit unsichtbar. „Hier kommt es mir darauf an, mit meinen Werken die Nichtberücksichtigung meiner Zielgruppe aufzuheben und ihnen damit „auf Augenhöhe“ zu begegnen“, führt die Berlinerin aus. Und mit ihrer Kollektion kann sie schon Erfolge verzeichnen: Sie durfte im Jahr 2015 ihre Kleidung auf der Berliner Fashion Week zeigen. Sogar Anfragen aus den USA hat Sema schon erhalten. Wahnsinn – weiter so, liebe Sema!

 

 

Danke, Sema! Dich juckt es schon selbst mutig in den Fingern, dein eigenes Projekt mit Trommelwirbel unter die Leute zu bringen? Dann warte keine Sekunde länger, sondern zeig den Kultur- und Kreativpiloten Deutschland mit deiner Bewerbung, was du drauf hast.

Was dabei für dich rausspringt: 
– Du bekommst eine Auszeichnung der Bundesregierung und machst bei einem einjährigen Mentoring-Programm mit, das deine Idee stärkt und dich weiterbringt.
– In Workshops erarbeitest du mit Kreativpiloten und anderen Experten, was es bedeutet, Unternehmer zu sein. Zwei Mentoren begleiten dich und du hast immer jemanden, der dich unterstützt.
– Du wirst Teil des Kreativpiloten-Netzwerks, das über die Jahrgänge hinweg zusammen kooperiert.
– Du erhältst deutschlandweite mediale Aufmerksamkeit und Tipps für deine Pressearbeit.

Alle Unternehmen, Selbständige, Gründer und Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft können sich bewerben. Egal, ob allein oder mit dem gesamten Team, ob es die Idee nur auf dem Papier gibt oder schon umgesetzt wird – bewirb dich bis zum 30. Juni 2017 unter diesem folgenden Link: Bewerbung als Kreativpilot!

Wir freuen uns schon unheimlich, dein Projekt kennenzulernen!

 

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Bilder: (c) Valerie Diedenhofen

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