Eine Idee Liebe: Dagny Juel – des Künstlers Muse

Dagny Juel als Edvard Munchs Madonna: Bild: Edvard Munch: Madonna - The Clark Art Institute

Wer war Dagny Juel?

„Ich sah ihn und wußte im selben Augenblick, daß ich ihn besitzen müßte und daß dies meines Lebens großer, tiefer Inhalt sein sollte. Beide wußten wir, daß wir zusammenleben müßten, sollte es sich lohnen zu leben. Und so wurde ich sein, er wurde mein, und sie, die zwischen uns stand – brachten wir um.“ – Rediviva von Dagny Juel

Die Tochter eines Arztes und dessen Ehefrau wurde 1867 in einem kleinen Städtchen in Ostnorwegen geboren. Dagny war nicht so aufbrausend und fröhlich wie ihre drei Schwestern. Sie war nachdenklich wie ihr Vater und sehr leidenschaftlich. Bei einem der von ihrer Familie organisierten Feste lernte sie schließlich den jungen Edvard Munch kennen. Zwischen ihnen entwickelte sich eine Freundschaft. Der Vater hieß den Umgang zwischen Dagny und Munch jedoch nicht gut, da der Junge danach strebte Künstler zu werden und dieser Beruf mehr als unsicher galt. Keine gute Partie für eine Arzttochter. Dagny und Munch trafen sich deshalb heimlich zu Spaziergängen. Munch war jedoch zu naiv und schüchtern, um auf Dagny`s Flirtversuche einzugehen.

„Er schien ihre roten Lippen nicht zu bemerken, die sich danach sehnten, geküßt zu werden, und er sah nicht, daß ihr Lächeln eine Einladung war, etwas zu riskieren.“

Thaddeus Wittlin

Die Leute der Stadt bekamen von den Spaziergängen der beiden Wind und es entstanden Gerüchte, die schließlich an die Ohren des Vaters drangen. Als Problemkind, das sich rebellisch benahm und in falschen Kreisen verkehrte, wurde Dagny als Jugendliche zum Aufenthalt in einer Erziehungsanstalt verdonnert. Die Zeit, die sie dort verbrachte, machte sie jedoch noch rebellischer und so zog es sie nach dem Schulabschluss in die damalige Hauptstadt Norwegens Christiana. Sie traf wieder Edvard, der sich noch immer nicht traute, Dagny näher zu kommen. Stattdessen kam sie durch ihn in bekannte Künstlerkreise, in denen er Mitglied war. Umgeben von Männern und einzelnen Frauen beteiligte sie sich an hitzigen Diskussionen rund um Kunst und Literatur, sowie der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Dagny setzte sich für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein und predigte für eine freie Wahl in der Liebe.

Man nannte sie „Engel mit Zigarette“ und „Herrscherin im Bereich der Liebe“. Mit ihrer blassen Haut, ihren feuerroten Haaren und ihren sinnlichen Gesichtszügen brachte sie die Männer um den Verstand. Sie war es gewohnt, Heiratsanträge abzulehnen. Denn zu dieser Zeit wollte sie, anders als ihre konservativen Schwestern, frei sein. Einmal befreite sie sich aus den Fängen einer Verlobung, indem sie vor der Familie des Verlobten in einem derart provokanten Kleid erschien und sich dazu so aufreizend schminkte, dass die Familie die Verlobung prompt auflöste.

Als Bücherwurm das Licht der Welt erblickt, verzehrt sie auch heute noch Kästner, Precht und Heidegger zum Frühstück. Auf der Suche nach der perfekten Metapher treibt sie das Fernweh in die schönsten Schlupfwinkel der Erde. Wenn sie nicht schreibt oder liest, findet man sie in den Bergen, beim Klettern, oder auf ihrem Pferd durch die Großstadtprärie reitend.