Fütterer is(s)t anders: Darum ist vegan nicht automatisch gesund

Eine Frau sitzt mit einem Laptop im Gras und raucht

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

„Du rauchst? Das passt jetzt aber nicht zusammen.“ Eigentlich will ich nur mal für einen Moment der Meute auf der WG-Party entfliehen, stehe auf dem Balkon und drehe eine Zigarette. Die Freundin meiner Freundin Linda, mit der ich den ganzen Abend noch kein Wort geredet habe, schaut mich erwartungsvoll an. Bevor ich höflicherweise fragen kann, was sie meint, schultert sie ihre dunkelblaue Longchamp-Handtasche und plappert munter weiter: „Ich meine, Linda hat mir erzählt, dass du vegan bist. Rauchen passt da ja gar nicht ins Bild.“ Ich seufze. Ins Bild passen, was so viel heißt wie: In ihre Klischeevorstellung. Vegan gleich super gesund. Vegan gleich öko, dogmatisch, perfekt.

Wer hat jemals behauptet, dass Veganer*innen perfekt sind? Und wie kommen die Leute darauf, dass alle Veganer*innen so unheimlich gesund sind – oder es sein wollen?

Was ist schon gesund?

Dass vegan häufig mit gesund assoziiert wird, liegt vielleicht daran, dass lange Zeit die einzige vegane Option im Restaurant Salat war. Und die Supermarktregale voll mit vermeintlichen Superfoods sind, die angeblich in keiner veganen Küche fehlen dürfen.

Wer sich für einige Zeit vegan ernährt, wird allerdings schnell feststellen, dass es für Veganer*innen noch viel mehr gibt als Grünzeug und Chiasamen. Zum Beispiel vegane Burger, Pizza, Döner, hochverarbeitete Fleischalternativen und zuckerhaltigen Süßkram. Alles vegan. Aber auch nicht das, was allgemein als „gesund“ gilt.

Nur weil sich jemand vegan ernährt, muss dies nicht zwangsläufig heißen, gesünder zu leben. Man verzichtet auf Lebensmittel tierischen Ursprungs. Daher ist es allgemein zwar schon so, dass man durch den Verzicht auf Fleisch, Milch und Eier automatisch mehr Hülsenfrüchte, mehr Gemüse und Nüsse in die Ernährung integriert. Ich könnte aber auch den ganzen Tag Pommes, Tofuwurst und Ketchup essen. Alles vegan – aber nicht sonderlich gesund.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.