Hunde gegen den Coronablues: Gekauft, gekuschelt, ausgesetzt?

Frau mit Hund

Ich dachte immer, diese Überlegungen stellt jede*r an, bevor er/sie sich ein Tier zulegt. Umso geschockter war ich, als ich in den letzten Monaten aus den verschiedensten Ecken hörte, dass der Hund „ja schon lästig wäre“, wenn man in den Urlaub fahren wolle und dass „man sich das mit dem Vieh ja doch nochmal überlegen müsse“, weil acht Stunden könne der ja nicht alleine bleiben, wenn man jetzt wieder normal arbeiten ginge. Ja, Leute, was habt ihr denn erwartet? So viel kognitive Dissoziation hätte ich dann doch den wenigsten zugetraut. Denn entweder müssen diese Menschen davon ausgegangen sein, dass ein Haustier niemals älter als 12 Monate wird, oder, dass der Lockdown noch die nächsten 10 Jahre andauert.

Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend begab ich mich auf Recherche – und siehe da, meine Ängste sahen sich bestätigt.

Diverse Tierheime schlagen derzeit Alarm, denn tatsächlich kommen viele der in 2020 adoptierten Hunde nun in die Auffangstationen zurück. Doch nicht nur die. Viele Menschen hatten im vergangenen Jahr Hunde von illegalen Züchtern gekauft. „Weil die ja so schön günstig und furchtbar niedlich sind.“ Ja, Hildegard, natürlich sind sie das, schließlich wurden sie auf Maße unter teils verheerenden Bedingungen gezüchtet und meist viel zu früh von ihren Müttern und Geschwistern getrennt.

Die Folge? Kranke Junghunde ohne Sozialverhalten und Hundebesitzer, die mit ihren Tieren völlig überfordert sind. Der Hund war billig, die Tierarztrechnung danach wird es sicher nicht. Was tun diese Schnäppchenjäger also? Sie setzen ihren traumatisierten, unerzogenen Hund vor den Türen eines Tierheimes aus oder lassen ihn auf der Fahrt in den Urlaub einfach gleich an der erstbesten Raststätte sitzen.

Mich macht sowas richtig wütend.

Denn es geht ja nicht nur um die Respektlosigkeit, die da an den Tag gelegt wird, sondern auch ganz rational um die Arbeit, die so eine unüberlegte Adoption für Tierheime und Pflegestellen mit sich bringt. Die ausgesetzten Tiere erleben durch solche Aktionen nicht nur den Verlust ihrer Bezugsperson, sie verlieren auch ihr Zuhause und im schlimmsten Fall das Vertrauen in den Menschen. Dadurch werden sie unsicher, möglicherweise auffällig, fangen an zu beißen oder verstecken sich viel. Die Vermittlung eines solchen Hundes ist in den ersten Wochen nach seiner Ankunft im Tierschutz logischerweise kaum möglich. Die Pfleger*innen haben zunächst alle Hände voll zu tun, wieder Vertrauen zu schaffen, ihn aufzupäppeln, zu füttern, mögliche Wunden zu versorgen. Nicht selten werden ausgesetzte Hunde von der Polizei oder Privatpersonen aufgegriffen, weil sie herrenlos über Schnellstraßen rennen, von Autos angefahren werden oder in Mülltonen nach Futter suchen. So hat alleine der Hamburger Tierschutzverein in den letzten Wochen über 70 Tiere aufnehmen müssen. Und der „normale“ Alltag geht für viele unerfahrene Hundebesitzer*innen ja gerade erst wieder los.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.