Liebeserklärung an: Harry Potter

Ein Brief mit dem Logo von Hogwarts.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

„Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut …“

„Zurück nach Hogwarts“ – so lautet der Titel des „Harry Potter 20th Anniversary-Special“ auf HBO Max. An Neujahr haben Fans die Möglichkeit, zusammen mit Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson und vielen anderen Darsteller*innen abermals in die magische Welt einzutauchen. Gibt es einen besseren Grund, meinem allerliebsten Franchise zu huldigen?

Am 22. November 2001 veränderte sich das Leben vieler Menschen – an diesem Tag erschien „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in den deutschen Kinos. Wer hätte sich vorstellen können, dass das magische Universum rund um den titelgebenden Zauberschüler und seine Freund*innen in Zukunft eines der erfolgreichsten Buchadaptionen überhaupt werden würde. Zwanzig Jahre, acht Filme, drei Spin-offs, ein Theaterstück und über 500 Millionen (Stand 2020) verkaufte Buchexemplare später, ist die Zauberwelt aus den Herzen der Fans weltweit nicht mehr wegzudenken. So auch aus meinem.

Es war ein verregneter, kalter Wintermorgen, als ich zum allerersten Mal in die wunderbare Welt von Harry Potter eintauchen durfte. Ja, dieser Tag war tatsächlich so ein prägendes Ereignis für mich, dass ich mich noch genau erinnern kann. Nach einer (langen) Diskussion mit meiner Mutter, in der ich sie anflehte, ob ich endlich „Harry Potter und der Stein der Weisen“ schauen durfte, kramte sie schlussendlich die verstaubte VHS-Kassette aus einer Kiste. In den nächsten zweieinhalb Stunden war ich nicht mehr ansprechbar. Viel zu gebannt war ich von der zauberhaften Geschichte, der magischen, wilden Kreatur mit drei Köpfen, dem herrlich duftenden Essen (ja, ich konnte das Essen durch den Fernseher riechen), dem warmen Kerzenschein und der herzlichen Atmosphäre. Ab diesem Moment war ich der Welt, die mir so viel über Freundschaft und Liebe, den Schmerz von Verlust und die Kraft des Zusammenhalts beibrachte, komplett verfallen. Ich wartete sehnlichst auf meinen elften Geburtstag und meinen Brief aus Hogwarts (Spoiler: Ich habe keinen bekommen, bin aber der festen Überzeugung, dass Errol meinen Brief einfach verschlampt hat), schrieb eigens ausgedachte Fortsetzungen der Reihe, fing an, die Bücher zu lesen und teilte meine Leidenschaft mit meinen Freund*innen, die diese bereitwillig übernahmen. Es war der Anfang einer wunderbaren Verbindung zwischen einer Geschichte, die so viel mehr für mich ist als nur die Abenteuer-Erzählung eines elfjährigen Jungen, und einem Mädchen, dass in ihr ein zweites zu Hause gefunden hatte.

“Whether you come back by page or by the big screen, Hogwarts will always be there to welcome you home.” – Zwar möchte ich mich an dieser Stelle ganz klar von J.K. Rowling und ihren transfeindlichen Auffassungen distanzieren, allerdings vereint dieses Zitat all das, was Harry Potter für mich ist: Ein zu Hause, welches mir in den dunkelsten Stunden stets eine Zuflucht geboten hat, in eine andere Welt, eine andere Zeit und ein anderes Leben abzutauchen. Vielleicht bin ich deswegen in diesem Fall in der Lage, die Kunst von der Künstlerin zu trennen. Vielleicht ist das auch zu leicht gedacht und ich mache es mir sehr einfach, aber ich will in dieser Liebeserklärung nicht der Autorin als Person huldigen, sondern ihrem Talent eine derartige Welt zu erschaffen. Und es war auch nicht J.K. Rowling, die mir in Zeiten, in denen ich mich einsam und alleine gefühlt habe, die nötige Energie und Kraft gab, um Hoffnung zu schöpfen. Es war Dumbledore mit seinen Worten: „Happiness can be found, even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.“ Es war Sirius Black der mir geholfen hat, wenn ich an mir gezweifelt habe: „The world isn’t split into good people and Death Eaters. We’ve all got both light and dark inside us. What matters is the part we choose to act on. That’s who we really are.“ und es war Severus Snape, der mir etwas über die Kraft der wahren Liebe beibrachte: „After all this time?“ – „Always.“

Wenn ich also zurückkehre zu vergilbten Seiten, einer wundervoll vertrauen Sprache und zu liebevoll gestalteten Charakteren, ist das wie ein wohlig warmer Sessel in einem Zimmer, in den man sich hinein kuschelt, wenn die Welt mal wieder zu turbulent wird. Und wenn ich an Neujahr verkatert, in meinem Pyjama auf der Couch sitze und das „Harry Potter 20th Anniversary-Special“ läuft, ist das für mich, als würde ich alte Freund*innen nach einer langen Zeit wiedersehen.

Bis dahin: „Missetat begangen!“

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Bildquelle: Foto von Tuyen Vo von Unsplash; CC0-Lizenz

Wenn mich nicht gerade meine unstillbare Lust nach fantasiereichen Büchern und Filmen umtreibt, habe ich eine Schwäche für tiefgründige Kneipengespräche, kalten Kaffee, einsame Wälder und – natürlich – das Schreiben von alltäglichen, spannenden und neuen Geschichten.