Frau vor Macbook

Stress und warum wir Dinge immer bis zum Ende aufschieben

Stell dir das Szenario vor: Du hast zwei Wochen für die Uni-Abgabe Zeit. Du musst in der Zeit nicht arbeiten, also musst du dich nicht so abstressen und kannst du dich vielleicht auch noch mit Freunden treffen… Noch eine Woche bis zur Abgabe: Du hast die letzte Woche nicht wirklich etwas geschafft, sondern immer was anderes erledigt. Ein bisschen Me-Time war aber auch mal wieder wirklich nötig. Jetzt fängst du aber an… beziehungsweise morgen, weil heute wolltest du noch zum Sport und danach ins Kino… 5 Tage bis zur Deadline: Nur noch schnell aufräumen, Wäsche waschen, Bad putzen, dann setzt ich mich dran… diesmal wirklich! Nur noch 3 Tage: Mist, Mist, Mist!!! Nur noch so wenig Zeit und viel zu viel zu tun. Jetzt muss ich richtig durchziehen. TAG DER ABGABE: Letzter Feinschliff und endlich abgeben. Grade nochmal so geschafft… 😅

Egal ob aus der Schule, der Uni oder von der Arbeit, jeder kennt dieses Szenario. Jedes Mal, wenn man eine Deadline bekommt, gerät man in den gleichen Teufelskreis. Bloß nicht zu früh anfangen, die gesamte Zeit ausnutzen und entspannt arbeiten. Lieber prokrastinieren, die Abgabe verdrängen und am Ende in Zeitstress geraten, weil man schon wieder nicht früher angefangen hat. Und immer stellt man sich danach die Frage: WIESO HABE ICH NICHT FRÜHER ANGEFANGEN?

Nur weil man Dinge immer weiter aufschiebt und sich lieber mit anderen Sachen beschäftigen, bedeutet das nicht, dass man keinen Stress hat. Prokrastinieren hat oft unterbewussten Stress zur Folge. Man kann nicht schlafen, weil so viel zu tun ist und die Gedanken kreisen die ganze Zeit nur um die Abgabe. Man fühlt sich oft schuldig, weil man immer noch nicht angefangen hat. Manche Leute sind auch von Ängsten und depressiven Gedanken geplagt. Trotzdem fällt es so schwer sich einfach hinzusetzen und die Arbeit fertig zu machen. Die Lösung scheint so simpel, aber wieso ist die Barriere in einem so groß?

Was ist Prokrastinieren eigentlich?

Wäsche waschen, Zimmer aufräumen, Sport machen, Fernsehen schauen. All das sind Beispiele für Prokrastination. Wissenschaftlich ausgedrückt meint Prokrastination das freiwillige aber unnötige Aufschieben von geplanten Handlungen obwohl negative Konsequenzen durch die Verzögerung zu erwarten sind, wie z.B. Stress, Angst oder andere negative Gefühle und Gedanken. In der Psychologie bezeichnet man Prokrastination auch als Störung der Selbststeuerung. Es ist besonders unter Schülern und Studenten ein häufig beobachtbares Verhalten.

Man kann zwischen zwei verschiedenen Arten von Aufschiebern unterscheiden: den Erregungsaufschiebern und den Vermeidungsaufschiebern. Erstere schieben Abgaben bis zum Ende auf, weil sie den Druck zum Schluss genießen und er sie zu besserer Arbeit anspornt. Leuten, bei denen das der Fall ist, geben an durch den Stress erst wirklich kreativ zu werden und gute Arbeit zu produzieren. Hier werden Druck und Stress als etwas positives empfunden, als aufregender Kick. 

Im Gegensatz dazu steht der Vermeidungsaufschieber. Hier sorgen der Leistungsdruck und die Angst zu versagen dafür, dass man die Aufgabe immer weiter vor sich herschiebt. Man verbindet die Arbeit mit so viel Negativen, dass man lieber gar nichts macht als vielleicht etwas falsch zu machen oder noch jemanden zu enttäuschen. 

Warum also Prokrastinieren wir?!

Nach einer Studie von Schlüter und Kollegen wurde entdeckt, dass der Teil im Gehirn, der für die emotionale Bewertung von Situationen zuständig ist, bei viel prokrastinierenden Personen größer ist als bei Personen, die Aufgaben eher direkt anpacken. Das macht also auch nochmal deutlich, dass Prokrastinieren viel mit unseren Gefühlen, besonders wie wir Situationen emotional bewerten, zusammenhängt. Wenn man das versteht, versteht man auch besser, warum man nicht einfach die Arbeit erledigt. Es weiß ja wie gesagt jeder, dass es eigentlich am besten wäre, Dinge direkt in Angriff zu nehmen. Aber durch die (unterbewussten) Gefühle, wie Leistungsdruck oder Versagensangst verfällt man immer wieder in Resignation. Oftmals ist man sich aber nicht über diese Motive des eigenen Handelns bewusst und kann dem ganzen deswegen nicht gegensteuern. Vor allem, wenn man trotz des Aufschiebens erfolgreich war, speichert das Gehirn es ab und es gibt keinen Lerneffekt. Und wenn dann die nächste Abgabe kommt, rutscht man wieder in den gleichen Teufelskreis. 

Zum Glück ist es aber ein Teufelskreis, den man durchbrechen kann.

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Bildquelle:  energepic.com von Pexels, CO0 Lizenz