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Romina, 25, ist studierende Zweifachmama

Gleichzeitig Mama und Vollzeitstudentin? Im ZEITjUNG-Interview verrät Romina, wie sie beides unter einen Hut bekommt und ihren vollgepackten Alltag meistert.

Studieren mit Kind – was für viele Studenten ein Ding der Unmöglichkeit scheint, ist für Romina der ganz normale Alltag. Als Zweifachmama und BWL-Studentin muss die 25-Jährige Kölnerin täglich alles unter einen Hut bekommen – dabei dürfen weder die Kinder noch das Studium zu kurz kommen. Auf ihrem Instagram-Account liebereinfachlieben hält Romina ihren vollgepackten Familienalltag mit all seinen Höhen und Tiefen fest. „Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Studium und Kinderkriegen überhaupt nicht ausschließen.“

Studium und Kinderkriegen schließen sich überhaupt nicht aus

Romina ist mittlerweile im 8. Semester ihres BWL-Studiums, in ihrem zweiten Hochschulsemester (mit 22) war sie mit Sophia schwanger, die heute schon zwei Jahre alt ist und vor ein paar Wochen einen kleinen Bruder bekommen hat, Matteo. Bis zu ihrem Abschluss fehlen der jungen Studentenmama noch zwei Klausuren und die Bachelorarbeit, durch die beiden Schwangerschaften hat Romina keine Zeit verloren. „Ich bin quasi fast fertig, durch das Kinderkriegen musste ich zwei Semester verlängern, habe aber kein Urlaubssemester genommen. Damit bin ich zwar zwei Semester über der Regelstudienzeit, aber dennoch noch voll im Durchschnitt. Die meisten meiner Kommilitonen brauchen auch zwei Semester länger.“ Während des Studiums Mama zu werden, zählte eigentlich nicht zu Rominas Zukunftsplänen. Ihr erstes Kind Sophia war nicht geplant, „aber auf jeden Fall erwünscht“ – eine Abtreibung kam nie in Frage.  Als sie damals herausfand, dass sie schwanger ist, waren sie und ihr Mann gerade einmal acht Monate zusammen. „Das war erstmal ein Schock! Aber wir wussten, dass wir ein Leben lang zusammen sein möchten und auch gemeinsam Kinder kriegen möchten. Als wir dann wirklich Eltern wurden, war es das größte Glück für unsere Beziehung und hat unseren Beziehungsstatus nochmal mehr nach oben katapultiert. Wenn du ein gemeinsames Kind hast, kann dich gefühlt nichts mehr trennen.“

Gleichzeitig Studium und Kind – wie geht das?

Beides lässt sich in Rominas Alltag gut vereinen, das erfordert zwar jede Menge Disziplin und Durchhaltevermögen, mit dem nötigen Willen ist aber alles machbar. „Mit Kind ist viel mehr möglich, als man denkt. Meine Hebamme hat immer gesagt: Babys sind für Anfänger gemacht, die nehmen alles an, was du ihnen gibst. Das habe ich genauso gelebt.“ Romina hat ihre Tochter Sophia von Anfang an regelmäßig mit in die Uni genommen, es hat sie nie gestört, dass ihre Krabbeldecke auf dem Uni-Fußboden lag oder wenn sie mal auf dem Schoß einer Kommilitonin bespaßt wurde, weil die Mama etwas erledigen musste. „Sie ist eben damit großgeworden. Das war vielleicht nicht immer das Beste, hat aber funktioniert.“

Man ist immer noch eine Besonderheit an der Uni

Ein Baby passt in den Köpfen der Gesellschaft heutzutage nicht in die Vorstellung eines für Studenten typischen Studiumsverlaufs. Viele Studentinnen haben sicher Angst, im Falle einer Schwangerschaft auf dem Campus für ihren Babybauch verurteilt zu werden und mit der Kindererziehung während des Studiums nicht nur generell, sondern auch finanziell überfordert zu sein. Nach Rominas Erfahrungen ist man demnach immer noch eine Besonderheit an der Uni, wenn man hochschwanger oder mit Kind an der Hand über den Campus läuft. Obwohl es außer ihr noch viele andere Studierende mit Kind gibt und sie sowohl von ihren Kommilitonen als auch von der Uni selbst immer viel Unterstützung erhalten hat. Wie an den meisten Universitäten und Hochschulen in Deutschland gibt es auch an ihrer Hochschule spezielle Betreuungsmöglichkeiten für Studierende mit Kind – wie etwa Eltern-Kind-Zimmer mit Spielecke und Computer direkt nebeneinander oder Beauftragte, die sich sehr liebevoll um die Studenten-Mamas kümmern.

„Einmal wurde extra für mich eine Klausur verschoben.“

„Auch die Dozenten waren sehr zuvorkommend. Wenn ich vorher gefragt habe, ob ich das Kind mitbringen kann, hieß es meistens: klar, kein Problem! Teilweise haben mir die Dozenten auch nochmal persönliche Mails geschrieben und gefragt, ob ich denn bei allem gut mitkomme. Und einmal wurde sogar eine Klausur für mich verlegt. Der Termin war ursprünglich genau während meines Geburtstermins für Sophia, ich wollte die Klausur aber unbedingt mitschreiben, also haben sie die Klausur extra für mich verschoben.“ Wegen der kinderfreundlichen Bedingungen hat Romina ihre kleine Sophia gerade in den ersten Wochen und Monaten noch sehr häufig mit in die Uni genommen, schließlich brauchen Babys in der Zeit ohnehin noch wahnsinnig viel Schlaf. Kurz vor Vorlesungsbeginn bringt Romina ihre Kleine immer zum Schlafen. „Teilweise hat sie so sogar Drei-Stunden-Vorlesungen mit mir mitgemacht und einfach nur die ganze Zeit geschlummert. Ich hatte wirklich total viel Glück, dass Sophia immer so brav war.“

Wie sieht der Alltag zwischen Vorlesungssälen und Windelwechseln aus?

Jetzt, mit der Geburt von Matteo strukturiert sich Rominas Alltag gerade völlig neu. Jeden Montag muss sie zur Uni, wenn sie Matteo einmal nicht mitnehmen kann, passt ihre Mutter auf ihn auf. Sophia ist mittlerweile alt genug für die Kita. „Vormittags bin ich also frei, mit Matteo alleine Zuhause habe ich genug Zeit zum Lernen, der Kleine schläft ja noch sehr, sehr viel. So kleine Babys machen noch nicht viel, sie brauchen eigentlich nur viel Liebe und Aufmerksamkeit.“ Nachmittags holt Romina ihre Tochter dann wieder von der Kita ab. Vormittags Studentin, nachmittags Mutter – diese Aufteilung klappt im normalen Uni-Alltag meistens sehr gut bei ihr.

Klausurenphasen sind der Tod

„Das Einzige, was natürlich der Tod ist, sind Klausurenphasen.“ Die überlebe Romina nur, weil ihre Familie sie sehr unterstützt. In diesen Wochen verbrachte Sophia viel Zeit bei ihrer Oma oder mit ihrem Papa, damit die Mama in Ruhe lernen kann. Die junge Mama muss dann jede freie Gelegenheit zum Lernen nutzen, solange die Kinder schlafen oder gerade irgendwo anders aufgehoben sind. Zum Glück für Romina ist ihr die Lernerei nie schwergefallen, einen Großteil des Stoffes konnte sie sich schon direkt in den Vorlesungen aneignen. „Außerdem schraubt man irgendwann seine eigenen Ansprüche zurück. Man sagt sich, okay, die 1,0 ist nicht mehr das Wichtigste in meinem Leben. Ich bin so viel entspannter, seit ich meine Lebensperspektive geändert habe. Alle anderen sind immer nur darauf aus, einen guten Abschluss zu machen und einen guten Job zu bekommen. Mein eigenes Glück hat sich durch die Kinder in eine andere Richtung entwickelt.“

„Arbeitgeber wollen für ein Praktikum keine Mutti haben“

Einen klaren Nachteil haben studierende Mütter, wenn es um einen passenden Praktikumsplatz für das Praxissemester geht. Es gibt kaum Praktikumsstellen auf Teilzeit, etwas anderes war für Romina jedoch nicht möglich. Ihren Praktikumsplatz hat die Studentenmama damals nur über Vitamin B bekommen, bei allen Bewerbungen, die sie geschrieben hat, kam entweder eine Absage oder gar keine Antwort. „Ich glaube, das liegt daran, dass es im BWL-Bereich Studierende wie Sand am Meer gibt und wenn man es sich aussuchen kann, dann nimmt man eben nicht die unflexible Praktikantin mit Kindern, dann will man keine Mutti haben.“ Über das Praktikum hinaus begleitet Romina ständig die Angst, auch nach dem Studium nur über persönliche Empfehlungen an einen Arbeitsplatz zu kommen. Obwohl ihre Noten gut und ihr Praktikumszeugnis sogar sehr gut sind – wenn das Wort Teilzeit in der Bewerbung auftaucht, stehen ihre Chancen automatisch schlechter.

Wie finanziert man Kind und Studium?

Direkt nach dem Abitur hat Romina eine Ausbildung zur Tanzlehrerin gemacht, obwohl sie damals schon wusste, dass sie später trotzdem studieren will. Neben dem Studium hat sie nach ihrer ersten Schwangerschaft Tanzkurse gegeben, um sich ein bisschen was dazuzuverdienen. Außerdem bekommt sie BAföG, das sie durch die Schwangerschaften sogar noch um zwei Semester über der Regelstudienzeit verlängern konnte. Ihr Mann ist neun Jahre älter als sie und arbeitet als Großküchentechniker, er ist also ein Vollbluthandwerker. „Das ist wirklich sehr praktisch. Wir kaufen uns gerade ein Haus, das wir im Sommer zusammen sanieren werden, da kann er viel selber machen. Wir sind sozusagen im typischen Happy-Family-Modus.“ Finanzielle Sorgen muss sich die junge Familie also zum Glück nicht machen.

Wo bleibt die Zeit für dich allein?

Mit zwei Kindern und Studium bleibt nicht viel freie Zeit übrig, die Romina ganz für sich nutzen kann. „Wenn ich mal alleine duschen gehen kann und danach frisch eingecremt und rasiert aus dem Badezimmer komme, dann ist das für mich schon so ein Wow-Moment.“ Als persönlichen Ausgleich hat die Mama eine Leidenschaft fürs Nähen entwickelt. „Auch so ein Mutter-Klischee, das hätte ich nie gedacht. Aber wenn nachts alle schlafen, genieße ich es total, Zeit an der Nähmaschine zu verbringen. Oder ich esse dann heimlich die Kekse von Sophia und schaue Netflix.“

Was wäre, wenn ich keine Kinder hätte?

„Natürlich frage ich mich manchmal, was wäre, wenn ich die Kinder nicht hätte. Gerade wenn ich sehe, was andere Studenten für Möglichkeiten haben, Auslandssemester oder Praktika in anderen Städten. Solche Sachen ziehen mich manchmal runter. Dann braucht es nur jemanden, der mir mal kurz den Kopf wäscht und sagt: Schau dir mal an, was du erreicht hast, was andere nicht haben!“ Wenn Romina heute auf ihr Leben zurückblickt, ist sie zufrieden. Dass sie so jung schon Kinder bekommen hat, wird sich eben später auszahlen – wenn sie sich im Vergleich zu anderen den Mutterschaftsurlaub sparen kann. „Ich fange erst richtig an zu arbeiten, wenn meine Kinder schon so weit sind, dass ich sie ohne schlechtes Gewissen in eine Betreuung geben kann.“ Romina hat sich ein Leben aufgebaut, in dem sich Studium und Kind prima vereinen lassen. „Im Endeffekt bin ich froh, dass es so gekommen ist.“

 

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Bildquelle: Romina Demer

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