Hofer und Atalay mit RTL-Sendung: Kann das funktionieren?

Für viele ist es noch ein ungewohntes Bild: Zwischen Bachelorette und der zigtausendsten Folge von „Alarm für Cobra 11“ grinsen Jan Hofer und Pinar Atalay in die Kamera. Moment, waren die nicht mal bei der seriösen ARD? Dass Jan Hofer sich nach 35 Jahren als Tagesschausprecher anscheinend noch einmal umorientieren will, zeigte sich bereits in der diesjährigen Staffel von „Let’s Dance“, in der der 71-Jährige das Tanzbein schwang. Der Wechsel Pinar Atalays ist hingegen erst seit Juni 2021 bekannt. Gemeinsam werben sie aktuell für „RTL Direkt“, eine neue Sendung des Privatsenders, die ab dem 16. August immer montags bis donnerstags laufen wird. 

Böse Zungen würden behaupten, dass RTL und eine neue Show wohl kaum eine Meldung wert seien. Bei den ganzen Dating-Shows und Z-Promi-Veranstaltungen kann es ohnehin schon schwer sein, den Durchblick zu behalten. Aber „RTL Direkt“ soll eben nicht einfach ein neues Nachrichten- oder Talkformat werden – zumindest verspricht das eine Mitteilung auf der sendereigenen Website. „Die Sendung verbindet das Beste aus beiden Welten. Wir freuen uns sehr, dass wir neben Jan Hofer auch Pinar Atalay für die Moderation gewinnen konnten“, so Nachrichten-Chefredakteur Gerhard Kohlenbach. „Die beiden werden die Menschen kompakt, direkt und verständlich auf den neuesten Stand bringen, damit sie bestens informiert und durchaus auch mit einem Augenzwinkern in die Nacht verabschiedet werden.“

Dabei wolle man keine billige Kopie der „Tagesthemen“ oder des „heute journals“ sein, verspricht Hofer gegenüber der Welt. „Im Gegenteil. Es geht uns darum, große Politik zu erklären. Das Wichtigste sind die Themen des Tages, zudem gibt es in der Regel immer einen Gesprächspartner sowie einen Nachrichtenblock am Anfang (…). Die Gespräche mit den Interviewpartnern führe ich selbst. RTL Direkt ist aber keine One-Man-Show, weil ich drei hervorragende Reporter (…) an meiner Seite habe und wir auch versuchen wollen, über soziale Kanäle wie Instagram viele Zuschauer einzubinden.“ Hofer fährt fort: „Unser News-Block ist nicht so bestimmend wie bei den Öffentlich-Rechtlichen. Außerdem erwarten die Zuschauer eigene Filme – und am Ende, statt der Wetteraussichten, ein versöhnlicher, positiver Ausstieg.“

Man sagt viel und gar nichts

All das mag bis hier hin klasse klingen. Und ja, vielleicht wird es auch der nächste große Stern im deutschen Himmel der Fernsehsendungen – der ohnehin über die letzten Jahre immer düsterer wurde. Aber so viel Kohlenbach oder auch Hofer bereits erzählt haben, genau so wenig weiß man eigentlich noch immer. Eine Sendung, die große Politik erklärt, News und Unterhaltung verbindet, Zuschauer miteinbezieht, exklusive Inhalte zeigt… aber wie verbindet man all diese Komponenten innerhalb einer 20-Minuten-Sendung, ohne irgendwo Abstriche machen zu müssen? Wie sieht es beispielsweise mit der Neutralität der Berichterstattung aus, die unabdingbar ist, wenn man sich damit rühmen will, „große Politik zu erklären“, man aber gleichzeitig auch unterhalten und mit einem Schmunzeln die Sendung beenden will? 

Sowohl eine Chance als auch einen faden Beigeschmack hinterlassen Hofer und Atalay als Moderator*innen. Ja, sie haben sich in der Vergangenheit durch ihr ARD-Engagement einen Namen im Bereich des Journalismus gemacht und sind mit Sicherheit eine Bereicherung für den Privatsender. Wie stark der Fokus in der Werbung RTLs jedoch auf die beiden Medienprofis gelegt wird, lässt ein bisschen stutzen. Beinahe wirkt es so, als wolle man mit den beiden Gesichtern vermitteln: „Wir sind seriös.“ Das ist aber natürlich nur reine Spekulation und inwiefern sie sich bewahrheitet, kann jeder ab Mitte August selbst beurteilen. Es bleibt zu hoffen, dass es RTL wirklich gelingt, die besten Elemente aus verschiedensten Bereichen in „RTL Direkt“ zu vereinen, sodass genau diese angestrebte Innovation nicht zum Genickbruch wird.

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Bildquelle: ThisisEngineering RAEng auf Unsplash; CC0-Lizenz

Fußballfan mit musikalischer Dauerbeschallung, wenn nicht gerade selbst am Klavier oder der Gitarre. Eigentlich ein geselliger Typ, der aktuell aber auch seine Liebe für Bücher und exzessiven Netflix-Konsum entdeckt.