True Crime: Woher kommt die Faszination für das Böse?

Der Schatten von einer Pistole.

Das Gaffer-Syndrom

Was True Crime von fiktiven Kriminalfällen unterscheidet, ist, dass so grausame und abscheuliche Verbrechen wirklich passiert sind. Mit diesem Wissen erhöht sich der eigene Schockfaktor und es verhält sich ähnlich wie bei einem Autounfall – man will zwar selbst nicht in den Unfall involviert sein, ist aber fasziniert von dem Leben anderer Menschen und fängt an zu gaffen. Die eigenen Emotionen werden durch die Rolle, die man in der True-Crime-Geschichte einnimmt, nochmals verstärkt. Während wir bei fiktiven Verbrechen nicht mitbestimmen können, wie die Geschichte ausgeht, nehmen wir bei ungelösten Verbrechen die Rolle von Falllöser*innen ein und entscheiden selbst, ob eine Person schuldig oder unschuldig ist.

True Crime ist Frauensache

Insbesondere Frauen sind fasziniert von True-Crime-Geschichten. Mehreren Studien zufolge liegt der Anteil von Podcast-Hörerinnen bei 65–70 Prozent und auch die beliebte True-Crime-Zeitschrift „Stern-Crime“ wird zu 81 Prozent von Frauen gelesen. Das liegt vor allem daran, dass sich Frauen gedanklich mehr als Männer mit Verbrechen auseinandersetzen, weil sie Angst haben, irgendwann selbst einmal zum Opfer zu werden. Der Begeisterung für True Crime liegt also ein praktischer Nutzen für das eigene Leben zugrunde – das Entwickeln von Verteidigungsstrategien. Je mehr wir uns mit echten Verbrechen beschäftigen, desto besser können wir Situationen, die uns selbst betreffen, einschätzen und darauf reagieren.

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Bildquelle: Maxim Hopman auf Unsplash; CC0-Lizenz

Wenn mich nicht gerade meine unstillbare Lust nach fantasiereichen Büchern und Filmen umtreibt, habe ich eine Schwäche für tiefgründige Kneipengespräche, kalten Kaffee, einsame Wälder und – natürlich – das Schreiben von alltäglichen, spannenden und neuen Geschichten.