Wann kommt endlich das bedingungslose Grundeinkommen?

Noch immer werden Löhne nicht gerecht verteilt. Ein Profifußballer wird mit Geld überschüttet, während Berufe im Gesundheitswesen unverhältnismäßig vergütet werden. Menschen in führenden Positionen erhalten um Längen mehr Lohn als ihre Angestellten. Der Bruch zwischen Arm und Reich war selten so groß.

Und wie steht es eigentlich um diejenigen, die nicht das Glück haben, die IT-Branche als Mittel der Wahl zu haben, die sich nicht für Pixelschubserei begeistern können? Was geschieht mit denjenigen, die ihre Leidenschaft in einer anderen Tätigkeit bestätigt sehen wie etwa im Buchhandel, Journalismus, im Künstlerisch-tätig-Sein? Die genauso viel Zeit und Arbeit investieren, jedoch aufgrund ihrer Berufswahl froh sein können, wenn sie damit finanziell gerade noch so über die Runden kommen. Die einen haben eben Glück bei der Wahl ihres Berufes, weil er viel Geld einbringt, die anderen haben Pech. Aber woran messen wir eigentlich, wie wichtig ein Beruf ist und wie hoch er schließlich vergütet wird?

Sicherlich nicht an der gesellschaftlichen Relevanz. Denn ansonsten würden landwirtschaftliche Berufe, die unsere Nahrungsquelle sichern, soziale Berufe wie die der Pflege oder der Kinderbetreuung und auch kreative Tätigkeiten höher vergütet werden, als es zurzeit der Fall ist. Stattdessen scheinen wir keinen Wert darauf zu legen, das, was uns wichtig ist, auch zu humanen Preisen herzustellen. Lieber werden eh schon arme Länder noch mehr ausgebeutet, regionale Landwirte um ihren Besitz gebracht und Menschen in Berufe gezwängt, die ihnen nicht liegen und die sie nicht einmal mögen. Für den Deutschen ist Steuern zahlen schließlich eine Tugend. Einmal nicht arbeiten, kommt nicht gut im Lebenslauf. Jeder hat das Recht auf Arbeit, aber niemand hat das Recht auf keine oder auf eine gerechte oder auf eine Arbeit, die Spaß macht. Schließlich kann nicht jeder einen coolen Beruf ausüben. Irgendwer muss den unliebsamen Job schließlich machen, den lieben langen Tag an der Kasse sitzen, Etiketten einscannen und mit verärgerten Kunden telefonieren. Ohne die Berufe abwerten zu wollen, bin ich mir sicher, dass sich viele Menschen einen anderen Beruf hätten besser vorstellen können.

Die Arbeit im Wandel

Wenn es nach dem Philosophen Richard David Precht geht, könnte dies bald ein Ende haben. Er verbindet die Vorahnung einer durch die Technik hereinbrechenden Massenarbeitslosigkeit mit dem bedingungslosem Grundeinkommen, kurz BGE. In der modernen Technik sieht Precht die Chance, Berufe, die niemand machen will, durch Maschinenarbeit und KI zu ersetzen, sodass alle Menschen erstmals das machen können, was sie machen möchten. Und das ganz ohne Gelddruck. In seiner Vorstellung sind die Menschen Jäger, Hirten und Kritiker, ohne Jäger, Hirten und Kritiker sein zu müssen. Sie gehen einer Tätigkeit nach, die ihnen Spaß macht und die sie erfüllt. Es geht nicht mehr nur um Geld, viel mehr geht es um sinnstiftende Arbeit. Und auch Studien wie die von Michael Osborne bestätigen Precht in seiner Meinung. Demnach werden künftig sehr viele Jobs wegfallen, wenn der technische Fortschritt so weiter geht, wie bisher. Denn die Entwicklung der Technik ist eine disruptive. Soll heißen, all jene Tätigkeiten, die algorithmierbar sind, sind unterm Strich auch ersetzbar. Einfache Arbeiten, wie etwa an der Kasse zu sitzen, bestimmte Abläufe in der Produktion oder in der Verwaltung könnten durch die effiziente Leistung von KI ersetzt werden. Das muss nicht per se heißen, dass es generell weniger Arbeit geben wird, doch wird sich der jeweilige Bedarf umverteilen. So wird weniger Personal für eintönige Arbeit benötigt, dafür werden aber an anderer Stelle mehr Fachkräfte, Spezialisten und Menschen in sozialen Berufen gebraucht. Was passiert jedoch mit all jenen Menschen, die ein solch spezifisches Studium oder eine dementsprechende Aus- und Weiterbildung nicht vollzogen haben? Was machen die? 

Als Bücherwurm das Licht der Welt erblickt, verzehrt sie auch heute noch Kästner, Precht und Heidegger zum Frühstück. Auf der Suche nach der perfekten Metapher treibt sie das Fernweh in die schönsten Schlupfwinkel der Erde. Wenn sie nicht schreibt oder liest, findet man sie in den Bergen, beim Klettern, oder auf ihrem Pferd durch die Großstadtprärie reitend.