Deutschland, deine Väter: Ein Leben im Schatten der Emanzipation

Vater-und-Kind

Leute, es geht wieder aufwärts! Wie das Deutsche Statistische Bundesamt Mitte Mai verkündete, lag die Geburtenrate im Jahr 2015 bei 1,50 Kindern je Frau (15 bis 49 Jahre). Damit liegt Deutschland zwar nach wie vor unterhalb des EU-Durchschnitts, erreicht aber seinen persönlichen Höchstwert seit über 30 Jahren.

In Summe sprechen wir von 737 575 Neugeborenen. Nehmen wir (naiverweise) an, dass zu jedem Kind ein unterschiedliches Elternpaar gehört, sprechen wir im Umkehrschluss auch von 737 575 „Neu-Vätern“. Selbstverständlich wird es sich nicht für jeden dieser Väter um das erste Kind handeln. Doch kann eine gewisse Art von Routine die eigene Erwartungshaltung reduzieren?

Papa: Damals…

In den Klassenzimmern der heutigen Twentysomethings waren Kinder, die von ihren Vätern zur Schule gebracht oder abgeholt wurden, eine Seltenheit. Elternabende gestalteten sich häufig als Frauenrunden und alleinerziehende Väter hatten etwas Mythisches: man hatte von ihnen gehört, aber selten war man einem solchen Wesen begegnet. Die selbsternannten „Papa-Kinder“ erfreuten sich vor allem der Samstage, die der Vater dann für gemeinsame Kino-, Zoo- oder Schwimmbadbesuche freischaufelte. Papa war eher der Mann, der abends auf einmal mit beim Abendessen saß, mit der restlichen Tagesgestaltung aber nicht wirklich viel zu tun hatte.

…und heute

Im Erwachsenenalter entwickelt sich die Vaterfigur daher auch immer weniger zu dem Ratgeber und Partner für ernste Gespräche. Mutti quittiert die ausufernden Tagesberichte am Telefon immer noch mit mitfühlenden Seufzern an den entsprechenden Stellen, während Papa lediglich kurz nach dem Wetter fragt und anschließend vorschlägt, dass Mama nach dem Einkaufen ja zurückrufen könne.

Der All Inclusive Mann

Von der heutigen Generation der Jungväter wird etwas Anderes erwartet: seid erfolgreicher Karrieremann, sportlich aktiv, gebildet, fleißig im Haushalt, wirtschafts- und politikinteressiert, unabhängig aber loyal und vor allem richtet euer Leben nach der Familie aus. An alle Feministinnen: Kommt euch bekannt vor? Während öffentlich darüber diskutiert wird, dass die moderne Frau den gesellschaftlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden kann, sind die Erwartungen an die Männer in keiner Weise geringer. Im Gegenteil!

Zu allem Überfluss befindet sich unsere Gesellschaft in einer schizophrenen Übergangsphase: Während Elternzeitanträge von Vätern einerseits öffentlich beklatscht werden, schwingt andererseits vor allem in mittelständischen Unternehmen oftmals Unverständnis mit, wenn ein Kollege sich zum Kinderhüten für längere Zeit verabschiedet.

An dieser Stelle ein kurzer Exkurs in den Kosmos Gleichberechtigung: Dass Frauen bei der Stellenbesetzung nun benachteiligt werden, weil sie womöglich schwanger werden und somit länger „ausfallen“ könnten, dürfte mit diesem Modell doch nun eigentlich hinfällig sein, oder?

Kumpel- oder Vaterfigur?

Die heutigen Sozialkurse der Arbeitgeber verhelfen Jungvätern also zu mehr Zeit mit ihren Kindern. Aber ist dies allein schon ausreichend für eine innige Vater-Kind-Beziehung? Hilft es vielleicht, jung Vater zu werden, um sich einfacher in die Problemwelten des Nachwuchses reinzudenken?

Heute, da das Gebot der Stunde „alles so schnell und früh wie möglich“ zu heißen scheint, kann die plausible Antwort eigentlich nur „ja“ lauten. Aber muss der Vater auch gleichzeitig der beste Freund sein, mit dem man über Liebeskummer, Alkoholexzesse und wilde Partynächte redet? Eigentlich war es doch immer ganz angenehm, dass Papa nicht alles wissen wollte, den eigenen Freiraum respektiert hat und großzügig darüber hinweggesehen hat, wenn man beim Austesten der Grenzen zu weit gegangen war.

Steh deinen Mann

Was erwartet man von einem Vater? Unterstützung? Verständnis? Sicherheit? Als Kind ist das wohl das Mindeste, was man einfordern sollen könnte. Als Frau wünscht man sich natürlich, dass der Partner sich gut in die Rolle einfindet, ein toller Papa wird und trotzdem genauso bleibt, wie er vorher war. Auf keinen Fall soll der väterliche Alltag mit den Attributen „langweilig“, „spießig“ oder eben „alltäglich“ assoziiert werden.

Und auch, wenn das vielleicht der Hoffnung der meisten Männer entspricht, dass man weiterhin mit den Kumpels um die Häuser zieht, nach wie vor ohne Rücksicht auf Verluste feiern geht und spontane Buddytrips nach Amsterdam vom Zaun bricht – ein Kind ändert alles. Punkt, Ende, aus. Das macht euch nicht zu weniger coolen Typen, aber auf jeden Fall zu weniger flexiblen Männern.

Aber dennoch an alle Jungs und werdenden Väter da draußen: macht euch nicht ins Hemd und vor allem nicht so einen Druck – der Titel „Best Dad“ wird nicht wirklich vergeben, aber wenn ihr nett fragt, bekommt ihr die entsprechend beschriftete Tasse bestimmt geschenkt! Wir wissen euren Einsatz wirklich zu schätzen und holen an dieser Stelle das nach, was dank medialem Feministen-Überschuss schon längst überfällig ist: Danke! Wir wissen, dass die Kombination aus Familie und Job für euch auch nicht leicht ist.

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Bildquelle: via pexels unter CC0 Lizenz

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