LiebesLeben: Wie viel Freiheit verträgt eine Beziehung?

Mann und Frau sitzen auf einer Decke im Sand

Zur Klarstellung: Mein Ex-Freund hat mir keine dieser Sachen explizit verboten. Aber er hat durchblicken lassen, dass er es nicht gut finden würde, wenn ich es mache – und ich habe mich anschließend selbst eingeschränkt. Ich wollte mir natürlich nicht eingestehen, dass meine Beziehung und meine Freiheit nicht gerade Hand in Hand gingen. Aber im Nachhinein betrachtet hat meine Liebe zu meinem Ex-Freund nicht besonders viel Freiheit vertragen – weder meinerseits noch seinerseits, denn ich hatte tatsächlich das Gefühl, ihn weniger zu lieben, wenn er etwas gemacht hat, das meiner Ansicht nach nicht in Ordnung war.

Nach meinem Ex-Freund habe ich eine andere Erfahrung gesammelt: nämlich die, dass Liebe und Freiheit keine Gegenspieler sein müssen. Ich habe jemanden kennengelernt, der mir gezeigt hat, dass man einander alle Freiheiten der Welt einräumen kann, ohne dass das etwas an der Liebe ändert. Dass er seine Freiheit auskostet, mindert nicht meine Liebe zu diesem Menschen, und auch umgekehrt ist das nicht der Fall. Mittlerweile glaube ich, dass Liebe und Freiheit einander tatsächlich nicht einschränken – jedenfalls nicht, wenn alle Beteiligten reif genug sind, wirklich zu lieben.

Die eigentliche Frage müsste aber nicht lauten: Wie viel Freiheit verträgt die Liebe?

Sondern: Wie viel Freiheit verträgt eine Beziehung?

Denn das ist etwas komplett anderes. Wenn der Mensch, den ich liebe, regelmäßig mit einer anderen Frau schläft und anfängt, sie zu mögen, dann ändert das zwar nichts an meiner Liebe, sehr wohl aber an meiner Beziehung zu ihm. Es kommt zu Eifersucht, wir streiten uns und müssen schwierige Gespräche führen, um die Streitigkeiten hinter uns zu lassen. Kurzum: Die Leichtigkeit geht verloren und alles wird irgendwie komplizierter. Es ändert etwas daran, wie ich ihn bewerte und welchen Platz ich ihm in meinem Leben einräume, wie stark ich mein eigenes Ich über unser Verhältnis definiere – quasi ein Selbstschutzmechanismus, der reguliert, wie nahe ich eine Beziehung an mich heranlasse.  

Klar hat das alles auch seine guten Seiten: Man eignet sich beachtliche Fähigkeiten im Umgang mit Eifersucht an, lernt allgemein einiges dazu und entwickelt sich gemeinsam weiter. Vielleicht wird die Liebe sogar stärker, wenn man sich gegenseitig alle Freiheiten der Welt gibt. Die Frage ist nur, ob das die schwierigen Seiten aufwiegt – und ob eine Beziehung all diese Freiheiten, die man sich gegenseitig gibt, aushalten kann.

Und vielleicht kann sie das nicht.

Denn „nur“ Liebe reicht oft nicht aus, um eine stabile Beziehung zu führen.

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Bildquelle: Dziana Hasanbekava on Pexels; CC0-Lizenz

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!