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Eine Liebeserklärung an: Die Serie „You Me Her“

Endlich eine Serie, in der die heiße, polyamoröse Dreierbeziehung gesellschaftsfähig gemacht wird!

Netflix ist ja dafür bekannt, am laufenden Band sehenswerte Hochglanzserien zu produzieren. Neustes Bespiel dafür ist die hochbrisante und polyromantische Comedy-Serie „You Me Her“, die kommenden Donnerstag, den 15. Juni in die zweite Staffel geht. Für alle, die die erste Staffel noch nicht gesehen haben, hier nochmal einige gute Gründe, warum die Serie trotz der klischeehaften Ausgangssituation so unheimlich gut und einzigartig ist.

 

Schöne, sexlose Welt

 

„You Me Her“ erzählt die Story von Jack und Emma Trakarsky, einem Ehepaar um die 40, das eigentlich ein ziemlich schönes Leben führt: Sie leben in einem schicken Haus und haben beide ihre Traumjobs gefunden, sie sind kinderlos und völlig frei. Doch etwas fehlt zu ihrem ultimativem Glück: ein erfülltes Sexleben – denn leider stehen die beiden aktuell eine ziemliche Flaute im Bett durch. Sie lieben sich gegenseitig fast so sehr wie ihre Hipster-Heimatstadt Portland, sind Partner und beste Freunde zugleich. Doch Emma verspürt nach dem Sex auch jedes Mal eine Art Erleichterung, weil sie jetzt erstmal eine Weile ihre Ruhe davon hat.

 

Romcom mit hoch aktuellem Twist

 

So weit, so gut. Alles schon mal da gewesen und eine klassische Situation in einer langjährigen, monogamen Beziehung. Doch diese anfänglich sehr austauschbare Romcom hat einen hochaktuellen Twist: Jack entscheidet sich für einen etwas unkonventionellen, aber auch sehr klischeehaften Weg aus der Sexdurststrecke mit Emma – und engagiert kurzer Hand eine Escort-Dame namens Izzy, die nicht nur hinreißend locker ist, sondern eigentlich auch Psychologie studiert. Jack arrangiert ein Hotelzimmer-Treffen mit dem jungen Call-Girl, mitsamt Minibar und Stripeinlage. Izzy soll Jack dabei helfen, aus der sexuellen Ödnis seiner Ehe zu entfliehen. Sie knutschen rum, schlafen aber nicht miteinander. Der eigentlich treue Ehemann, der letztendlich nur mit Izzy gequatscht und geknutscht hat, beichtet seinen Fehltritt reumütig seiner Ehefrau. Diese reagiert eigentlich gelassen, ist aber so neugierig, dass sie selbst ein Treffen mit der vermeintlichen Geliebten ihres Mannes vereinbart. Sie trifft sich also selbst mit der schönen Studentin Izzy – und verknallt sich.

Schnell wird das süße Escort-Girl von beiden gleichermaßen begehrt und es entwickelt sich eine bilderbuchhafte, polyamoröse Dreierliebesbeziehung. Nicht nur der Sex des Ehepaares ist durch das Neue und Verbotene wieder zum Leben erwacht, sie verlieben sich ziemlich schnell in die intelligente und chaotische Studentin. Ok, immer noch ziemlich klischeehaft das Ganze. Doch das Szenario ist jedoch gar nicht so realitätsfern: immer mehr Menschen kehren der monogamen Beziehung den Rücken zu und entscheiden sich für die Liebe zu Dritt. Dabei geht es natürlich in erster Linie nicht, wie in der Serie überspitzt dargestellt, um Triebe, sondern um Liebe, Verbindlichkeit, Vertrauen und ein sehr intimes Gemeinschaftsgefühl.

 

Was sollen die Nachbarn sagen?

 

Netflix wagt sich mit der Serie von John Scott Shepherd an die Thematik dieser komplexen, andersartigen Liebesform heran. Die zehn Folgen der ersten Staffel drehen sich nicht nur um den immer fantastischer werdenden Sex der drei Protagonisten, sondern vor allem auch um die gesellschaftlichen und persönlichen Hürden, mit welchen die drei zu kämpfen haben. Die sonst so eloquenten und erfolgreichen Erwachsenen sind auf einmal ratlos und völlig überfordert mit ihren Gefühlen in dieser andersartigen Situation. In typischer Ami-Manier sind alle viel zu sehr darauf bedacht, was andere von ihnen denken könnten und reagieren bei Sex und Liebesthemen fürchterlich verklemmt.

Dass Emma eigentlich schon immer bisexuelle Züge hatte, hat sie Jack in der zehnjährigen Ehe bisher verschwiegen. Jack selbst erinnert oftmals an einen überforderten 16-Jährigen, der Schiss hat, den Anforderungen seiner Frau nicht gerecht zu werden. Die Unsicherheit dieser erwachsenen Hipster macht sie sehr sympathisch und lässt die konfuse Situation realitätsnäher wirken. Izzy, Jack und Emma müssen sich erstmal ordentlich betrinken und kiffen, bevor sie die gesellschaftlichen Konventionen hinter sich lassen können und sich gegenseitig eingestehen, dass sie sich ineinander verliebt haben. Bis sie dann endlich mal zu dritt Sex haben, geht einige Zeit ins Land.

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