Warum eine Impfpflicht vielleicht doch keine so doofe Idee ist

Viele sind pandemiemüde. Wir wollen unser Leben zurück! Bild: Pexels

Ich kann nicht mehr! So, ich hab’s gesagt. Jetzt braucht ihr euch nicht mehr schämen, wenn es euch genauso geht. Ich bin‘s satt und wütend und verzweifelt. Woher das kommt? Das kann ich euch erklären.

Wir haben heute den 15.11.2021 und es ist kalt in Deutschland. Also habe ich meine Winterjacke aus dem Schrank geholt, sie angezogen und bin in mein zugefrorenes Auto gesprungen. Beim Griff in die Manteltasche würgte ich fast den Motor meines Wagens ab. Denn im Gegensatz zu den vergangenen Jahren fand ich diesmal keinen 5-Euro-Schein oder ein altes Taschentuch, sondern eine FFP2-Maske.

Mich traf es wie ein Schlag. Stimmt. Letzten Winter war ja auch schon Pandemie!

Wie kann es sein, dass wir seit Monaten eine wunderbar funktionierende Impfung haben und trotzdem rollen wir mit der Wucht eines Jumbojets in die vierte Welle hinein? Was ist da los?

Also, machen wir doch mal eine kleine Analyse, okay? Nur so zum Spaß, weil wir ja offensichtlich eh zu viel Zeit haben und die Hälfte von euch sicher schon wieder im Homeoffice sitzt. Warum denn auch nicht, war doch so schön die letzten drei Male. Ich drifte ab. Woran liegt es, dass Länder wie Dänemark fein raus sind und selbst unser allseits beliebtes Italien mittlerweile die Pandemie im Griff hat, aber das Land der Dichter und Denker scheinbar den Anschluss verpasst hat?

Hier also ein paar kleine Gedankenanstöße, auf die ihr sicher auch schon gekommen seid. Bitte sehr.

Bratwurst und Blaskapelle

Mensch, was haben wir uns alle gefreut, als in den Nachrichten verkündet wurde, dass wir uns nun endlich impfen lassen können. Wir konnten es kaum abwarten. Jede*r wollte einen Termin, und zwar so schnell wie möglich. Die Impfzahlen stiegen rasant, es wurden Bilder auf Social Media von Pflastern auf Armen gepostet und Politiker*innen ließen sich medienwirksam die Nadel in den Arm stecken. Die Ersten träumten schon wieder von Festivalbesuchen und sicheren Urlauben. Und dann? Nichts.

Plötzlich stagnierten die Zahlen. Impfstoffe verrotteten in den Kühlschränken der Impfstationen. Gut, dass kann man jetzt dem Kuddelmuddel um AstraZeneca zuschreiben. Aber Freunde, wisst ihr, wer euren Tetanusimpfstoff produziert? Cool, ich auch nicht. Trotzdem habe ich keine Lust auf eine Hirnhautentzündung und lasse mich alle 10 Jahre impfen. Kurz darauf startete die Bundesregierung eine Impfkampagne. Überall sah man Poster von hochgekrempelten Ärmeln, die einen lockten mit Bratwürsten ins Impfzentrum, die anderen mit Cocktails. Die Hexe aus Hänsel und Gretel wäre beeindruckt gewesen von so viel Kreativität. Doch viel tat sich nicht, die Leute waren skeptisch.

Seien es die Telegramm-Gruppen, Attila Hildmann oder Xavier Naidoo. Irgendein fadenscheiniges Argument wurde immer vorgebracht. Zu wenig Daten, keine Langzeitstudien, Bill Gates. Keine Ahnung. Klärt mich auf, denn ich verstehe es nicht. Da gibt es eine Impfung, die gegen ein offensichtlich tödliches Virus hilft und Menschen lehnen sie ab, weil ein veganer, rechter Fernsehkoch ohne medizinische Expertise sagt, die Impfung wäre schlecht? Plausibel.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.