„taxmenow“: Millionär*innen fordern höhere Steuern auf ihr Vermögen

Drei Frauen schwelgen im Luxus

Man könnte glatt meinen, wir leben in einer verkehrten Welt: Zuerst engagieren sich Kinder und Jugendliche politisch für den Klimaschutz und nun fordern Millionär*innen die Politik auch noch dazu auf, ihr Vermögen stärker zu besteuern.

„Die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich immer weiter aus“. Wenn es um Themen sozialer Ungleichheit geht, dann wird früher oder später dieser eine Satz fallen. Auch wenn das Bild inzwischen so bemüht ist, dass es einem fast schon auf den Keks gehen kann, so beschreibt es die Situation doch am besten – eine Situation, die durch Corona nur noch weiter verschärft wird. Während durch die Pandemie anfallende Kosten – etwa der fürs Homeschooling obligatorische Laptop oder das Tablet – besonders ärmere Haushalte zusätzlich belasten, werden so manche Vermögende und Unternehmen wohl als Gewinner aus der Krise hervorgehen oder ihre Auswirkungen zumindest kaum zu spüren bekommen.

Für einen Wandel setzen sich nun ausgerechnet diejenigen ein, die vom aktuellen System eigentlich am meisten profitieren: nämlich die Millionär*innen selbst. Die Initiative „taxmenow“ ist ein Bündnis aus bisher 36 deutschen und österreichischen Millionär*innen, die auf ihrer Website zu Steuerreformen aufrufen. Dazu gehören:

  1. Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer für Millionen- und Milliardenvermögen, die es seit 1997 so nicht mehr gibt.
  2. Die Begrenzung von Ausnahmen für Betriebsvermögen und andere Sonderregelungen bei der Erbschaft- und Schenkungssteuer.
  3. Die Abkehr vom Einheitssatz bei der Kapitalertragssteuer zugunsten progressiver Steuersätze – mit steigendem Einkommen steigt auch der Steuersatz.
  4. Eine Vermögensabgabe für Millionen- und Milliardenvermögen im Falle einer Schuldenbremse.
  5. Und zu guter Letzt striktere Regeln gegen Steuervermeidung und -hinterziehung sowie bessere Ausstattung für Steuerbehörden.

Die Unterzeichner*innen der Initiative wollen durch die höhere Besteuerung einen Schritt hin zu mehr Steuergerechtigkeit und einer Gesellschaft, „die sich an den Werten Gemeinwohl, Chancengleichheit und Zusammenhalt orientiert“, gehen, wie es im Appell heißt:

Diejenigen, die viel besitzen, können einen höheren Beitrag leisten, um die großen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen: Klimawandel, Digitalisierung, demographischer Wandel, Wohnungsmangel, Bildungsgerechtigkeit und Förderung einer effektiven Vermögensbildung für alle.“

Aus Angst vor höheren Steuern als Folge der Corona-Krise ziehen bereits vermehrt Millionär*innen in die Schweiz, wie etwa 20min berichtet. So sollen die Anfragen für eine Niederlassung in der Schweiz innerhalb eines Jahres um 30 bis 40 Prozent und die Zahl Umzugswilliger um rund um ein Drittel zugenommen haben. Besonders deutsche und italienische Millionär*innen scheint es momentan ins Steuerparadies zu ziehen.

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Bildquelle: Anastasia Gepp auf Pixabay; CC0-Lizenz

Großer Anime-Fan und leidenschaftlicher Gamer mit einem Faible fürs Schreiben und das Lernen von Sprachen - gerne auch mal ausgefallenere wie Elbisch oder im Moment Mandarin. Zudem ein überzeugter Hemdenträger, exzessiver Nutzer der Farbe Schwarz (Dark Mode ist PFLICHT) und Katzenliebhaber.