Fütterer is(s)t anders: Warum ich Frostbeule auf muckelige Wollklamotten verzichte

Ein Schaf blickt in die Kamera. Bild: Unsplash

Unterschieden wird zwischen Wolle und Schurwolle. Schurwolle stammt vom lebenden Tier und gilt als besonders hochwertig. Sie ist frische Wolle, die nach dem Scheren abfällt. Wolle hingegen kann auch von toten Tieren stammen oder aus alten Textilien hergestellt werden. Pflanzliche Wollalternativen bestehen u.a. aus Baumwolle, Bambus, veganer Seide oder Leinen.

Klamotten aus Wolle: Wo ist das Problem?

Lange habe ich gedacht, dass Schurwolle im Gegensatz zu Leder oder Pelz gar nicht so schlimm sei. Besser gesagt wollte ich nicht wahrhaben, dass es ein Problem dabei geben könnte. Die Tiere werden für meine Kleidung geschoren – so what? Irgendwer muss sie ja von ihrer Haarpracht befreien. Als ich mich allerdings näher mit dem Thema beschäftigt habe, habe ich meine Meinung geändert. Warum? Hier sind einige Gründe:

  • Der größte Teil unser muckelig-warmen Wollprodukte ist mit Intensivhaltung verbunden – und damit auch mit großen Qualen für die Tiere. Sie werden auf engstem Raum gehalten und dabei brutal behandelt, traumatisiert und verletzt. Auf Schaffarmen ist es keine Seltenheit, dass Schafen standardmäßig die Schwänze abgeschnitten werden – ohne Narkose. PETA hat vor sechs Jahren aufgedeckt, dass auch Lämmer in Argentinien bei lebendigem Leib gehäutet werden.
  • Zeit ist Geld – und viele Arbeiter*innen in der Wollproduktion werden nach der Wollmenge, die sie produzieren, bezahlt. Daher wird geschert, was das Zeug hält. Die Konsequenz: Es wird keine Rücksicht auf die Tiere genommen und viele Tiere werden beim Schurvorgang verletzt.
  • China ist der größte Produzent von Angorawolle. Dort gib es keine Tierschutzgesetzgebung. Die Tiere werden in kleinsten Käfigen gehalten – isoliert, damit sie sich gegenseitig nicht das kostbare Fell verhunzen. Für die kommerzielle Nutzung wird den Tieren bei lebendigem Leib das Fell vom Körper entrissen.

Aber jemand muss die Schafe doch scheren, damit sie nicht wie ein einziger, schwitzender Wollballen durch die Gegend laufen? Nein. Schafen und auch anderen Tieren wächst nur so viel Wolle, wie sie für den Schutz vor extremer Witterung benötigen. Nur wenn sie geschert werden, wächst die Wolle nach. Andere Tierarten wurden so gezüchtet, dass ihnen besonders viel Wolle wächst. Das Problem: Wenn sie nicht rechtzeitig geschert werden, sterben die Tiere im Sommer an Hitzeschäden.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.