Eine Idee Liebe: Wie toxische Männlichkeit unser Datingverhalten beeinflusst

Wann ist ein Mann ein Mann? Bild: Pexels

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Wie erklärt man am besten den Begriff „Toxische Männlichkeit“, ohne dass man bereits innerhalb der ersten drei Zeilen 90% der Leserschaft verliert? Möglicherweise mit einem Beispiel, auf das sich alle Anwesenden einigen können.

Das plakativste Beispiel für toxische Männlichkeit ist und bleibt wohl der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump. Locker-Room-Talk, Affären und Narzissmus. Man erinnert sich.

Donald Trump ist ohne Wenn und Aber eins der übelsten Beispiele für einen toxischen Mann. Dass er mit diesem Verhalten nicht nur seiner Familie, seinen Freunden und seinen Kollegen schadet, sondern auch sich selbst, war dem guten Herrn sicher kaum bewusst. Wie auch, schließlich ist er in seine Rolle hinein sozialisiert worden.

Aber fangen wir doch von vorne an. Was bedeutet eigentlich Männlichkeit?

Sehr breit gefasst beschreibt Männlichkeit die Summe der Eigenschaften, die traditionell einem Mann zugeschrieben werden. So weit, so gut. Laut den Genderstudies ist Männlichkeit lediglich ein Konstrukt, welches sich mit der Zeit wandelt und kulturell variiert. Diese Männlichkeit beinhaltet dabei sowohl positive als auch negative Eigenschaften.

Toxische Männlichkeit hingegen bezieht sich lediglich auf die Eigenschaften, welche als destruktiv oder potenziell gefährlich wahrgenommen werden. Hierbei kann diese Gefahr sowohl für den Mann selbst als auch für sein Umfeld gelten. Prominente Attribute, die in diesem Zusammenhang oft genannt werden, sind beispielsweise Dominanz, Kontrolle und Demütigung. Hinzu kommt eine Distanzierung von den eigenen Gefühlen und ein übertriebener Ehrgeiz. Sympathisch, nicht wahr?

In der Interaktion mit dem anderen Geschlecht wird toxischen Männern außerdem eine abwertende Haltung sowie animalisches Verhalten vorgeworfen. Wer jetzt noch keine Assoziation mit Donald Trump hat, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Nun ist dies hier jedoch keine Kolumne über das Verhalten von Männern. Vielmehr soll es um Liebe und Beziehungen gehen. Doch was hat das mit toxischer Männlichkeit zu tun? Mit so einem Menschen möchte frau doch keine Beziehung führen, oder?

Doch! Denn das Problem ist, toxische Männlichkeit ist nicht so leicht erkennbar, wie es auf den ersten Blick scheint.

Manche von euch mögen dieses Gefühl noch vom Schulhof kennen. Kai kommt mit seinem neuen rosa T-Shirt in die Schule. Sein Bruder hat das gleiche und deswegen denkt er, es wäre cool. Auf dem Schulhof wird er dann aber für sein neues Shirt gehänselt, weil „rosa tragen nur Mädchen“. Aus Angst, sein Ansehen in der Gruppe zu verlieren, behauptet Kai jetzt vielleicht, dass das T-Shirt eigentlich weiß ist, seine Mutter es nur falsch gewaschen hat (Frauen eben!). Natürlich würde er diese Farbe nie freiwillig tragen.

Was ist hier passiert?

Ganz einfach, Kai kommt in einen Rollenkonflikt. Sein Status in der Gruppe ist bedroht und kann nur durch ein übertriebenes Machoverhalten gesichert werden. Das ist wie im Tierreich. Wer am lautesten brüllt, hat recht.

Viele Helden in bekannten Filmen werden mit typisch männlichen Attributen dargestellt. Sie kriegen immer was sie wollen, kommen gut bei Frauen an und sie haben viele Muskeln. Sie heulen nicht, sie haben immer einen coolen Spruch auf den Lippen und Kritik perlt an ihnen ab wie billiger Sekt.

Und damit kommen wir auch schon zu meinem Punkt. Wenn man Frauen auf Dating-Apps fragt, wonach sie bei einem Mann suchen, dann ähneln sich die Antworten auf erschreckende Art und Weise.

Der Mann der Träume soll stark und mutig sein, eine richtige Schulter zum Anlehnen. Er soll der Ernährer sein. Ein Kerl, auf den frau sich verlassen kann und bei dem sie schwach sein darf. Gerne darf er den dominanten Part übernehmen, sich um die Finanzen kümmern und sich nehmen, was er will. Willkommen in den 1950ern!

Das Problem mit der toxischen Männlichkeit ist vor allem, dass sie so subtil stattfindet. Natürlich würde keine Frau rausgehen und sagen: „Ich suche einen toxischen Mann“. Und doch finden sich prägnante Sätze in den Dating-Profilen vieler Frauen. „Ich suche nach einem echten Kerl“ oder „Bitte nur Männer, die wissen, was sie wollen.“

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.