Overthinking – die Qual des Denkens

Was tun, wenn einen manche Gedanken nicht loslassen? Bild: Unsplash

Es ist Sonntagnachmittag, ich liege mit einer Tasse Tee auf der Couch und bin in mein Lieblingsbuch versunken. Plötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Hab ich gestern Abend irgendetwas Peinliches gemacht? War ich zu laut? Zu aufdringlich oder doch zu zurückhaltend? – Und schon nimmt das negative Gedankenkarussell seinen Lauf. Die Vorstellung, etwas Falsches gesagt oder getan zu haben, wird mich bis in die Nacht hinein begleiten und wahrscheinlich Montagmorgen immer noch präsent sein. Warum gibt es Gedanken, die dein ganzes Leben kontrollieren? Und was kann man gegen zu viel Grübeln tun? Wir gehen dem Phänomen des Overthinking auf den Grund.

Pathologisches Nachdenken

Es ist absolut normal, sich zwischendrin zu viele Gedanken zu machen und bestimmte Situationen zu überdenken. Wenn jedoch dein Denken plötzlich dein Leben kontrolliert und du in eine endlose Schleife des Nachdenkens gerätst, bist du ein Overthinker. Das zwanghafte Bedürfnis, jedes kleinste Detail in deinem Leben zu überdenken, kann einen immensen Druck auf einen selbst ausüben und im schlimmsten Fall pathologisch werden. Das Phänomen kann dabei unterschiedliche Formen annehmen: Das Infragestellen von Entscheidung und der Versuch, die Gedanken von anderen zu erraten und die eigene Zukunft vorherzusagen, sind nur ein Teil des Problems. Menschen, die unter Overthinking leiden, haben das Gefühl, unter ständiger Beobachtung zu stehen, als würde eine unsichtbare Jury jeden kleinsten Schritt überwachen und nur darauf warten, das der- oder diejenige etwas falsch macht – dabei sind sie selbst ihre größten Kritiker*innen. Ihr Denken wird dominiert von „Was wäre wenn“- und „Warum ist das passiert“-Fragen, die jedoch nie zufriedenstellend beantwortet werden können. Dadurch dreht sich das Problem einfach weiter im Kreis, bis es schlussendlich verdrängt werden muss. Zwar gibt es auch positives Overthinking, zum Beispiel wenn du dir tagelang ausmalst, wie toll die nächste Party wird, jedoch wird das Phänomen meistens in einem negativen Kontext erwähnt und kann dazu führen, dass man das Gefühl hat, auf einer Stelle zu stagnieren und nicht voranzukommen. Das Gefühl kann sich auf dein tägliches Leben, deine Gesundheit und dein Wohlbefinden auswirken und so schlimm werden, dass man anfälliger für Depressionen oder Angstzustände wird.

Ursachen

Menschen, die mit selbstquälerischen Gedanken zu kämpfen haben, hatten in ihrer Vergangenheit oft viele negative Erfahrungen oder erlebten Traumata. Dadurch wird das eigene negative Gedankenkarussell auch durch minimale Probleme angekurbelt und in Dauerschleife abgespielt. Die Angst, dass sich etwas Kleines zu einer großen Bedrohung entwickeln könnte, ist der ständige Begleiter für Betroffene und bedeutet eine anhaltende Angespanntheit. Insbesondere hochsensible oder hochbegabte Menschen neigen dazu, Opfer des Overthinking zu werden. Aufgrund ihrer starken Selbstkritik und ihrem hohen Anspruch an sich selbst werden diese schnell zu Sklav*innen ihrer eigenen Gedanken. Darüber hinaus geht mit diesen Eigenarten auch oft ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis einher, was sie vor Konflikten zurückscheuen lässt. Betroffene schweigen also lieber, anstatt Probleme direkt anzusprechen und damit dem Overthinking ein Ende zu bereiten.

Wenn mich nicht gerade meine unstillbare Lust nach fantasiereichen Büchern und Filmen umtreibt, habe ich eine Schwäche für tiefgründige Kneipengespräche, kalten Kaffee, einsame Wälder und – natürlich – das Schreiben von alltäglichen, spannenden und neuen Geschichten.