Wie Ken Jebsen zum Verschwörungstheoretiker wurde

Cover des Podcasts "Cui Bono? WTF happened to Ken Jebsen?" © Studio Bummens/Artwork: Henning Wagenbreth

Es gibt ein neues Highlight in der deutschen Podcast-Landschaft: Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? erzählt die Geschichte des ehemaligen Radiomoderators und heutigen Verschwörungstheoretikers Kayvan Soufi-Siavash, besser bekannt als Ken Jebsen.

Früher ein Idol, heute eher peinlich: So verhält es sich nicht nur mit Barbies Freund Ken, den wir früher angehimmelt haben, sondern auch mit Ken Jebsen – der in den 2000er Jahren mindestens genauso angehimmelt wurde und jetzt in der Verschwörungsszene versumpft ist.

Der Podcast Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? widmet sich genau diesem Phänomen: Was ist mit dem innovativen Radiomoderator passiert? Wieso wurde er zum Verschwörungstheoretiker? Der Podcast ist eine Koproduktion von Studio Bummens, NDR, K2H und dem rbb – für dessen Hörfunksender Fritz Jebsen früher die Sendung KenFM produzierte.

Wem nützt das Ganze?

Der Ausdruck Cui Bono bedeutet „Wem zum Vorteil?“ – und fasst das geniale Konzept des Podcasts optimal zusammen. Denn es wird mit dem gespielt, was Verschwörungstheoretiker*innen sich normalerweise zunutze machen. Der Spieß wird umgedreht, denn ausnahmsweise stammt die Frage „Wem zum Vorteil?“ hier nicht von Anhänger*innen etwaiger Verschwörungstheorien, sondern von der anderen Seite. Und ausnahmsweise bezieht sich die Frage nicht auf das „verdächtige“ Verhalten mächtiger Akteur*innen aus Politik und Wirtschaft, sondern auf genau diejenigen, von denen die Frage normalerweise stammt: Verschwörungstheoretiker*innen.

Was treibt diese Menschen an? Wie gelangen sie zu ihren – gelinde gesagt – seltsamen Überzeugungen? Cui Bono – inwiefern profitieren sie davon? Die Figur des Ken Jebsen steht dabei im Vordergrund. Die ersten Episoden von Cui Bono sind nebenbei aber auch ein spannender Ausflug in den Radiojournalismus der 90er und 2000er Jahre. Der Podcast ist nicht nur mit einem immensen Rechercheaufwand verbunden gewesen, sondern ist auch überaus gut produziert: O-Töne von ehemaligen Weggefährten Jebsens folgen auf Ausschnitte aus seinen früheren Radiosendungen, zwischendurch tauchen Äußerungen des späteren Ken Jebsens auf und bereiten ein gewisses Unbehagen. Der Podcast schafft das, was deutschen Podcasts nur selten gelingt – Spannung aufzubauen und eine Geschichte zu erzählen.  

Die kleinen Ken Jebsens unter uns

Und das ist keineswegs nur die Geschichte von Ken Jebsen – weswegen das Argument, man würde hier einem Verschwörungstheoretiker huldigen und ihm eine Bühne bieten, zwar verständlich, aber nicht wirklich stichhaltig ist. Denn jede*r von uns hat kleinere oder größere Ken Jebsens im Umfeld: Ob es um die Corona-Verschwörung, das „Weltjudentum“ oder die Inszenierung von 09/11 geht – für Onkel Ralf ist einfach alles verdächtig.

Wenn man Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? hört, beschäftigt man sich also nicht nur mit Ken Jebsen, sondern in den wohl allermeisten Fällen auch mit seinem eigenen Umfeld. Man erkennt gewisse Eigenschaften von Onkel Ralf (oder Tante Sabine, Oma Renate, Papa Jochen,…) wieder und überträgt Zusammenhänge, die im Podcast am Beispiel Jebsens verdeutlicht werden, auf die Verschwörungstheoretiker*innen aus dem eigenen Umfeld. Für wen könnte das nicht interessant sein?

Long Story short: Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? ist – jedenfalls bisher – extrem gut recherchiert, produziert, spannend und relevant für (fast) jede*n. Immer sonntags erscheint eine neue Episode auf allen gängigen Podcast-Plattformen. Also, falls ihr noch nicht wisst, wie ihr euch die Hitze morgen erträglich machen wollt, wir hätten da so eine Idee.

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Bildquelle: © Studio Bummens/Artwork: Henning Wagenbreth

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!