Will Smith geht in „Welcome to Earth“ an faszinierende Orte. Bild: Disney

Fühlt ihr euch auch manchmal, als hättet ihr die Verbindung verloren, zu dem, was um euch ist? Dann solltet ihr euch „Welcome to Earth“ ansehen. Ab dem 8. Dezember könnt ihr die sechsteilige Doku-Serie auf Disney+ streamen.

Unglaublich nahbar wirkende und sehr beeindruckende Forschende begleiten Will Smith an die Ränder der Erde und an seine persönlichen Grenzen. Dabei zuzusehen ist meiner Meinung nach sehr inspirierend. Die Bilder sind so atemberaubend, dass du dich fragst, was Will sagt: Wie konnte ich nicht wissen, dass das in der Welt existiert? Ich lachte, staunte, konnte oft kaum glauben, was ich sah. Es war wie eine Reise, diesen Menschen dabei zuzusehen, wie sie die für mich unvorstellbarsten Momente erlebten. Wir mögen nicht diese Möglichkeiten haben, aber wenn wir uns trauen zu träumen, können wir anfangen, sie wahr werden zu lassen. Darum geht es in dieser Serie: den Willen zu entfachen, rausgehen zu wollen, verstehen zu wollen, und letztendlich etwas verändern und die Erde schützen zu wollen. Und vielleicht finden wir die Verbindung, die wir verloren haben, wieder. Dafür muss man auch nicht bis ans Ende der Welt.

Wir haben mit dem Polarexpediteur Dwayne Fields, der Meeresbiologin Diva Amon und der Fotografin Cristina Mittermeier über die Serie und ihr Abenteurerdasein gesprochen.

Dwayne Fields ist Polarexpediteur, Naturforscher und Moderator. Er studierte Psychologie, International Development und Career and Business Management, Nachdem sein Leben mit einer Waffe bedroht wurde, entschied er, es komplett zu ändern, fand zurück zu seinen Träumen und wurde der erste Schwarze Brite, der den magnetischen Nordpol erreichte.

ZEITjUNG: Wie war die Zusammenarbeit mit Will? Wie war es, ihn an seine Grenzen zu bringen?

Dwayne Fields: Es war wirklich großartig, mit Will zu arbeiten. Was ich außerhalb der Fernsehwelt bzw. dieser Serie tue, ist, mit jungen Menschen und mit Menschen, die nicht in der Outdoor Community sind, zu arbeiten. Häufig passiert es, dass sie da rauskommen und anfangen, alles anzuschauen und völlig begeistert und ehrfürchtig sind. Will ist genauso, es war wie mit einem zehnjährigen Kind zusammenzuarbeiten, im besten Sinn. Er wollte lernen, wollte dabei sein. Und in Momenten, in denen er Angst zu haben scheint, war nichts davon gespielt. Ich glaube, dass er wirklich etwas Angst vor dem hatte, was wir machten, was gut ist. Wenn du Angst hast, heißt das, dass deine Sinne geschärft sind, was bedeutet, dass du viel mehr Informationen aufnimmst und es auf einer ganz anderen Ebene erlebst. Ich glaube, er war ein sehr williger Teilnehmer, er war einer vom Team, einer von uns, er war ein Forscher, in jeder Hinsicht. Er war wissbegierig und wollte eine gute Zeit haben. Und manchmal war es kalt, wir wurden klatschnass und jede*r weiß, die Kombination aus Kälte und Nässe und harter Arbeit sorgt für einen miserablen Tag, aber ihm machte das nichts aus, er fand Gefallen daran, wie es war und ich denke, das ist das Schönste daran.

ZEITjUNG: Was glaubst du, vermag die Serie zu schaffen?

Dwayne Fields: In dieser Serie geht es darum, die Schönheit von manchen der versteckten Ecken unserer Welt zu zeigen, manche der abgelegensten Flecken, Orte, die die meisten Leute nie sehen werden. Und die Technologie, die uns dabei geholfen hat, das zu zeigen, und jemanden wie Will zu haben, der das präsentiert, ist eine großartige Möglichkeit, eine Menge Leute dafür zu begeistern. Wir alle haben diese inhärente Verbindung zur Natur in uns und irgendwann in der Pubertät entscheiden wir, dass es nicht mehr cool ist, obwohl es das ist und ich denke, Will macht es wieder cool oder erinnert uns daran, dass es immer noch cool ist, das zu tun. Hoffentlich gehen Leute, die als Kind viel in der lokalen freien Natur waren und die über die Zeit davon weggetrieben sind, wieder zurück nach draußen wegen dieser Serie.

ZEITjUNG: Forscher*in zu sein bedeutet auch, die eigenen Ängste zu überwinden. Wie schaffst du es, deine Angst als Motivator zu nutzen und dich nicht von ihr lähmen zu lassen?

Dwayne Fields: Das Tolle ist: Angst ist wie eine Mauer. Will sagt es am besten: Seine Großmutter erzählte ihm, dass manche der schönsten Dinge im Leben auf der anderen Seite der Angst liegen. Ich kann das nur unterstreichen und stimme dem zu 100 Prozent zu. Viele der schönsten Dinge, die wir nicht tun, tun wir nicht, weil wir Angst haben, also bleiben wir ihnen fern. Doch wir wachsen am meisten, wenn wir uns ein wenig unbehaglich fühlen, vielleicht ein bisschen nervös sind, vielleicht ein bisschen Angst haben. Ich persönlich habe es so oft erlebt, dass ich Angst hatte, ich selbst zu sein, Nein zu bestimmten Menschen zu sagen, Ja zu anderen zu sagen, Ja zu Erfahrungen zu sagen und später würde ich es bereuen. Und wenn ich zurückgehe und diese Erfahrungen mache, in denen ich Angst habe, und ich durch diesen Prozess gehe und es schaffe, merke ich immer, dass ich so viel sicherer, so viel stärker, so viel kompetenter und so viel hungriger nach mehr rausgehe. Ich glaube, in diesem Fall und in den meisten Fällen, wenn du Angst vor etwas hast, besonders vor etwas, das dir nichts anhaben wird, wenn du da durchkommst, wirst du zurückschauen und es als Kraftquelle nutzen können. Das ist, was ich die meiste Zeit meines Lebens mache, und ich würde jede*n ermutigen, das auch zu machen. Wenn euch etwas ein wenig unbehaglich fühlen lässt, egal ob man Angst vor Höhen hat oder davor, im Wald zu campen, in neun von zehn Fällen ist da nichts, das dir etwas anhaben könnte. Die meisten Dinge in der Natur haben im Wesentlichen kein Interesse an dir. Ich würde sagen: Geht raus und macht es, macht es vorsichtig, aber macht es und lasst die Angst hinter euch. Denn ihr werdet auf der anderen Seite rauskommen – so viel besser vorbereitet auf das, was zukünftig noch kommt.

ZEITjUNG: Was sollen die Zuschauer*innen aus der Serie mitnehmen?

Dwayne Fields: Was mich am meisten beeindruckt hat, sind die anderen Explorer in der Serie. Jede*r Einzelne von ihnen inspiriert mich. Ich sage das nicht, weil sie meine Kolleg*innen in der Serie sind, sondern weil sie wirklich inspirierende Persönlichkeiten sind. Wenn man an Forscher und Abenteurer aus der Vergangenheit denkt, würde man nicht an jemanden wie Erik denken, der sehbehindert ist, man würde nicht an Albert denken, dessen eines Bein amputiert ist, man würde nicht an Diva denken, auch nicht mal an mich. Wir sind nicht die typischen Forscher, aber das Großartige daran ist, dass die Zuschauer*innen sich vielleicht mit uns identifizerien und wir so ein Vorbald sein können. Das ist es, dass mehr Leute die Natur anders wahrnehmen und sagen: Ich will rausgehen, und wenn ich rausgehe, werde ich es lieben, und wenn ich es liebe, werde ich alles dafür tun, sie zu schützen.

Dwayne Fields; Bild: Disney